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Wenden wir zun nächst der Katastrophe des Jahres 1943 zu, so ist zu sagen, daß die schweren Großangriffe der anglo-amerikanischen Luftwaffe auf Hamburg im Juli - August jenes Jahres für die Geschichte der Stadt und darüber hinaus Deutschlands in der Tat von verhängnisvoller und kaum zu überschätzender Bedeutung gewesen sind.
Selten nur hat es sich wie in diesem Falle in der Kriegsgeschichte ereignet, daß einem großangelegten operativen Plan bei geringen eignen Blutopfern ein vernichtender Erfolg von solchem Ausmaß beschieden gewesen ist. Dieser Schlag, der mit der Urgewalt eines Naturereignisses auf die schon vorher in über hundert Bombennächten oft und schwer geprüfte Stadt herabfuhr, war gleichwohl das Ergebnis kühler und sorgfältiger menschlicher Berechnung. Die sieben aufeinander folgenden schweren, darunter vier allerschwersten Angriffe, die Hamburg damals in der Zeit vom 25. Juli bis zum 3. August fast wehrlos über sich ergehen lassen mußte, waren vom Gegner monatelang mit größtem Materialaufwand und unter Einsatz von mehr als hunderttausend Mann an technischem und fliegendem Personal von vornherein als eine einheitliche Kriegshandlung geplant worden. Ihre Vorbereitung erwies sich als so umfassend und gründlich, daß sich der Ablauf mit fast exerziermäßiger Genauigkeit vollzog. "Ein Schlachten war's. Nicht eine Schlacht zu nennen!" Dieses Dichterwort aus dem Zeitalter der deutschen Klassik könnte als schauriges Motto über der Schilderung der Schreckensszenen stehen, die sich in jenen Hochsommertagen des Jahres 1943 in Hamburg abgespielt haben. Die moralische Wirkung auf ein Volk, das schon ein halbes Jahr zuvor die Tragödie von Stalingrad erlebt hatte, war ungeheuerlich, sie war um so größer und nachhaltiger, als dieses Ereignis die Stadt nicht unerwartet und keineswegs unvorbereitet getroffen hatte. Nach den in Duisburg, Düsseldorf, Köln, Essen und Wilhelmshaven bei Großluftangriffen gesammelten traurigen Erfahrungen war sich der Hamburger Senat schon im März dieses Jahres völlig darüber klar geworden, daß es nötig sei, die Vorbereitungen hier auf ganz andere Maßnahmen als bisher abzustellen. und daß nur der seine Entscheidungen richtig treffe, der auch und ungünstigsten Fall in seine Berechnungen einbeziehe. Man hatte daher begonnen, sich auf eine Zahl von gegebenenfalls 60.000-100.000 außerhalb Hamburgs unterzubringender Obdachloser einzurichten und einen sorgfältig ausgearbeiteten "Organisationsplan für einen durch Luftangriff hervorgerufenen Groß-Katastrophenfall aufzustellen. Weiträumig angelegte, bis ins einzelne vorbereitete Luftschutzplanspiele und -übungen waren abgehalten worden und das Menschenmögliche an planender Vorsorge schien geleistet,....