Die meisten dieser Schrift beigegebenen Bilder sind nach Originalen wiedergegeben, die Herr Th. Holtzmann, Hamburg, die Güte hatte, aus seiner reichhaltigen Sammlung von Hamburgensien zur Verfügung zu stellen.
Hamburg hat lange Zeit im Deutschen Reiche eine abgesonderte Rolle gespielt. Die Greuel des dreißigjährigen Krieges blieben der glücklichen Stadt erspart: Die starken Gräben und Wälle hielten den Feind fern, und oft erreichte das Gold mehr als Waffengewalt. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Stadt nach außen wurde in allen Stürmen bewahrt. Im Innern gelang es nach langwierigen Verfassungskämpfen, einen Ausgleich zwischen Rat und Bürgerschaft zu finden. Auch die gewaltigen Umwälzungen, welche die französische Revolution in Deutschland hervorrief, schienen der Stadt zum Vorteil zu gereichen; denn Hamburg wurde der erste deutsche Seehafen. Sein Handel nahm einen gewaltigen Aufschwung und behauptete sich trotz der unheilvollen Seekriege zwischen den europäischen Mächten. In dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurde mit zahlreichen Kleinstaaten ein Ende gemacht, aber Hamburg mit fünf anderen Städten als "kaiserlich freie Reichstadt" anerkannt. Als am 6. August 1806 Franz II. die deutsche Kaiserkrone niederlegte, nahm Hamburg den stolzen Namen einer freien Hansestadt an. Wer ahnte damals, daß dies Jahr der Anfang namenloser, schrecklicher Leiden sein würde?
Die große Handelsstadt konnte sich schon lange nicht mehr schützen und hatte angefangen, ihre Wälle in Anlagen zu verwandeln. Sie glaubte, ihre Freiheit sei notwendig für den Handel Europas und deshalb durch das allgemeine Interesse genügend geschützt. Aber das hinderte die Machthaber nicht, die reiche Stadt gelegentlich zu bedrücken: sei es, daß die Engländer ihre Schiffe kaperten oder die Dänen 1801 mit 12000 Mann acht Wochen lang ihre unwillkommenen Gäste waren, sei es, daß Hamburg 1803 für das zahlungsunfähige Hannover viele Millionen in die französischen Kassen zahlen mußte. Im folgenden Jahre landeten sogar französische Soldaten in St. Pauli und entführten den englischen Gesandten Rumholt aus seinem Landhause am Grindel nach Paris; ohne das Eintreten des preußischen Königs wäre er erschossen worden. Immer drohender wurden die Zeichen der Zeit. Frankreich und England kämpften um die Weltherrschaft. England hatte für seinen Handel den wichtigsten Rückhalt in Hamburg; hier war es am empfindlichsten auf dem Kontinent zu treffen. Schon war Hannover besetzt worden, und gegen Preußen holte Napoleon zum vernichtenden Schlage aus. Preußens Niederlage mußte auch Hamburgs Untergang werden.
Acht lange Leidensjahre kamen über Hamburg, die mit ausgesuchter Grausamkeit sich langsam steigerten und nach einem kurzen freudigen Aufatmen das größte Elend auf das Ende versparten. Doch so groß das Unglück war, es hat doch den späteren Aufschwung nicht verhindern können, und vor allem hat es Hamburg aufs engste mit dem übrigen Deutschland vereint. Weil Napoleon vor der reichen Handelsrepublik an der Elbe nicht halt machte, sondern ihr das gleiche Los bereitete wie dem übrigen Norddeutschland, hat er die Hamburger erst recht zu Deutschen gemacht.