St. Winkle

Das Hospiz der Benediktinerklöster als Vorbild der Laienhospitäler
in den Städten des Mittelalters



Dem Andenken meines Freundes und langjährigen Mitarbeiters
Prof. Dr. med. R. Rohde
(1920-1978)
Direktor der Abteilung Enterobacteriaceae und Leiter der Nationalen Salmonella- Zen-trale für die Bundesrepublik Deutschland am Hygienischen Institut der Hansestadt Ham-burg. - Rohde war einst selbst Benediktinermönch im Kloster Beuron.
"Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25, 40

"Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis. - Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis."
Goethe, Faust 11. 12104/10'7



Während der Völkerwanderungszeit trat die Kirche den eindringenden Barbaren als die einzige Organisation entgegen, die das Römische Reich noch zusammenhielt. Als Träger und Bewahrer der Reste römischer Kultur und Technik wirkte dabei besonders entscheidend der benediktinische Mönchsorden, der sich seit dem 6. Jahrhundert von seinem "Mutter-Kloster" Monte Cassino über ganz Italien, Frankreich, die britischen Inseln und Deutschland auszubreiten begann (1), und dabei den seßhaft werdenden Germanen höhere Formen des Ackerbaus und des Handwerks lehrte. Die Benediktiner-klöster, denen zunächst die Rodung in weitem Umfange zu verdanken war, fungierten demnach - ihrem Wahlspruch "ora et labora" entsprechend - nicht nur als religiöse Bastionen, sondern zugleich auch als landwirtschaftliche Musteranstalten(2). Die Mönche unterrichteten die breiten Volksschichten im Acker- und Gartenbau, in der Obstzucht, dem Forstwesen und dem Weinbau, der Bienen- und Fischzucht sowie in den verschiedenartigen Handwerkszweigen.

Um 550 gründete Cassiodorus, der einstige Kanzler des Ostgotenkönigs Theoderich (454-526) auf einem seiner Landgüter in Kalabrien das Kloster "Vivarium", in dem zum erstenmal das Studium der antiken Medizin in den Bildungsplan der Benediktiner aufgenommen wurde. In der Bibliothek dieses Klosters befanden sich auch Werke griechischer Ärzte, die von den Mönchen ins Lateinische übersetzt wurden. Cassiodors Intentionen bestimmten wesentlich die Kulturpolitik des Benediktinerordens (3). Seither wurde in den benediktinischen Klosterbibliotheken von den Mönchen eine gewaltige Abschreibe- und Übersetzerarbeit vollbracht. Damals, als die Übertragung zahlloser Werke der klassischen Literatur von zerfallendem Papyrus auf haltbares Pergament erfolgte, entstand der Begriff vom "benediktinischen Fleiß" (4). Die Benediktiner retteten vor allem die fortschrittlichen Errungenschaften römischer Landwirtschaft und griechischer Medizin ins Mittelalter hinüber, was entsprechend höhere Erträge und eine erfolgreichere Krankenpflege zur Folge hatte.


Das Kloster Monte Cassino im 18. Jahrhundert
In dem Flügel links oben waren das Xenodochium und das Spital untergebracht (Kupferstich aus "Historia Abbatiae Cassinensis" von Erasmo Gattula (1662-1734). Venedig 1733.
Im 2. Weltkrieg (1944) wurde das Kloster völlig zerstört. Ein großer Teil des Archivs und die Bibliothek (80 000 Urkunden und 70 000 Bände) konnte gerettet werden.
1950-57 wurde Monte Cassino in barocker Form wieder aufgebaut.

Durch die Befolgung ihres Wahlspruches: "Qui laborat orat" ("Wer arbeitet, betet") "adelten" die Bendiktiner die in der Antike verachtete physische Arbeit; sie machten sie zur sittlichen Pflicht, "die der Mensch", wie es Vinzenz von Beauvais definierte, "zum Ruhme Gottes zu erfüllen habe, um dem Werk die Weihe zu verleihen" (5). So schufen die Benediktiner für das christliche Mittelalter eine neue Arbeitsethik. Bekanntlich haftete dem Urchristentum noch viel von der antiken Arbeitsverachtung an (6). Die alttestamentarische Auffassung der physischen Arbeit als einer der Menschheit für den Sündenfall auferlegten Strafe paßte zu einer Wirtschaftsordnung, die im wesentlichen auf Sklaverei beruhte (7). Aus mancher Stelle der Evangelien spricht noch der quietistische Asketismus von aus der Hand in den Mund lebender orientalischer Einsiedler, die von Almosen vegetierend, viele natürliche Lebenswerte höher schätzten als die Erzeugnisse der Arbeit. Man denke z. B. an die Stellen der Bergpredigt: "Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet ... Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen ... Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht ... darum sorget nicht für den ande-ren Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen!" (Matt. 6,25-34) (8).

Die Benediktinerabtei war im Grunde eine Art von Polis en miniature, eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten mit einer neuen Arbeitsethik. Hier waren die idealen

Ziele der Stadt realisiert, indem man im Aufeinander-Angewiesensein gegenseitige Rücksichtnahme, Ehrlichkeit, gemeinschaftliche Arbeit, innere Zucht und Fleiß zu Tugenden erhob. Mochte es in der Welt draußen noch so wirr und wild zugehen, das Kloster schuf in seinem Innern eine Stätte gelassener Ordnung mit genau geregeltem Tagesablauf. Die durch die benediktinische "Regula" vorgeschriebene strenge Disziplin und sinnvolle Arbeitsteilung wirkten Wunder (9).

Unter dem Schutz der Kirche gedieh im frühen Mittelalter nicht nur die Landwirtschaft, sie förderte auch die Entwicklung der Städte, indem sie den Handel begünstigte. Wurden doch die größten Märkte im Anschluß an Kirchenfeste (daher die Ambivalenz des Wortes Messe) meist bei Kirchen abgehalten. Die Kirche war damals auch die einzige Institution, die durch die Gastfreundschaft ihrer Klöster das Reisen erleichterte. Manche Klosterhospize, wie z. B. die auf den Alpenpässen, dienten als Herbergen fast ausschließlich der Förderung des Handels und Pilgerverkehrs (10)

Fast das ganze Wissen des frühen Mittelalters war bei der Kirche zu finden, da die Priester allein des Lesens und Schreibens kundig waren. Die Kirche lieferte daher den neuen Königen auch die Beamten, die man zur Verwaltung benötigte. Sie lieferte ferner die Baumeister, Ingenieure, Ärzte, Historiker und Diplomaten. So sind z. B. auf dem Gebiete der Baukunst von den Benediktinern bedeutende Anregungen ausgegangen. Die Entwicklung des romanischen Baustils ist im wesentlichen ein Werk dieses Ordens.

Die Benediktiner schufen auch den neuen Typus abendländischen Klosterbaus, die "claustrale" Anlage, bei der alle Klosterräumlichkeiten und auch die Kirche um einen viereckigen Kreuzgang gruppiert sind. In den Benediktinerklöstern gab es nicht nur Herbergen für Durchreisende, sondern auch Pflegestätten für Kranke, und zwar nicht nur für Mönche der Abtei, sondern auch für Fremde (Reisende und Pilger) (11). Die Benediktinerregel schreibt nämlich im 53. Kapitel vor, daß man jeden Fremden wie Christus aufnehmen soll (12). In jedem Kloster war zumindest ein medizinisch geschulter Mönch, der zugleich auch den Einwohnern der Umgebung mit Rat und Tat zur Seite stand.

In der Antike kümmerten sich um den Kranken nur seine nächsten Angehörigen, während ihm die Gemeinschaft völlig gleichgültig gegenüberstand (13). Hier schuf die christliche Nächstenliebe und Misericordia-Mentalität einen völligen Wandel (14). Die frohe Botschaft der Evangelien galt nun auch dem Kranken, der bisher oft nur vom Odium der Sündhaftigkeit behaftet war. Leiden sei Gnade und bedeute Läuterung. An der Gnade des Kranken könne auch der Gesunde teilhaben durch Mit-Leiden. In diesem Sinne legte Benedikt von Nursia im 36. Kapitel der nach ihm benannten Regel ("De infirmis fratribus") seinen Mönchen die Pflege der Kranken besonders ans Herz, "infirmorum cura ante omnia adhibenda est":


Beginn des 36. Kapitels der Benediktinerregel,
die der Krankenfürsorge der Mönche gewidmet ist
und zugleich die Keimzelle des abendländischen Krankenhauswesens bildet.

"Die Sorge für die Kranken gehe vor allem und über alles. Man soll ihnen demnach so dienen wie Christus, dem man ja wirklich in ihnen dient; denn er hat gesagt: ,Ich war krank und ihr habt mich besucht' (Matth. 25,36) und: ,Was ihr einem dieser Geringsten getan, habt ihr mir getan' (Matth. 25,40). Doch mögen auch die Kranken ihrerseits bedenken, daß man ihnen Gott zuliebe dient und sie sollen deshalb die sie pflegenden Brüder nicht durch übergroße Ansprüche betrüben. Aber auch solche Patienten sind geduldig zu ertragen, da sich an ihnen mehr Verdienst erwerben läßt. Es sei also eine Hauptsorge für den Abt, daß sie in keinem einzigen Punkte vernachlässigt werden. Den kranken Brüdern werde eine eigene Zelle zur Verfügung gestellt und ein gottesfürchtiger, eifriger, treubesorgter Wärter (servitor). Den Gebrauch von Bädern biete man dem Kranken an, so oft es zuträglich ist; den Gesunden aber, und vor allen Dingen den Jüngeren werde er nicht so leicht gestattet (15). Auch der Genuß von Fleischspeisen werde den ganz schwachen Kranken zur Stärkung erlaubt; wenn sie dann wieder mehr zu Kräften gekommen sind, sollen sich alle in gewohnter Weise des Fleisches enthalten. Es soll auch Herzenssache des Abtes sein, dafür zu sorgen, daß die Kranken von den Celleraren (Kellermeistern) und Wärtern nicht vernachlässigt werden. Er trägt eben die Verantwortung für alles, was sich seine Jünger zuschulden kommen lassen" (16).

Infolge der ihnen aufgetragenen Verantwortlichkeit ist es verständlich, daß viele Äbte eine gewisse medizinische Bildung zu erwerben strebten (17). Auf diese Weise wurden Benediktinerabteien Hochburgen medizinischen Wissens. Dabei schuf die längere Pflege von Mönchen aus dem Stammpersonal des Klosters günstige Voraussetzungen für klinische Beobachtungen, zuweilen sogar für epidemiologische Schlußfolgerungen. Als Beispiel sei die wegen der goldgelben Hautverfärbung von den Mönchen als "morbus regius" ("Krankheit der Könige") bezeichnete Infektionskrankheit erwähnt, bei der es sich höchstwahrscheinlich um Hepatitis epidemica gehandelt hat. Die Übertragbarkeit dieser Gelbsucht wurde erstmals in einem Brief des Papstes Zacharias (741-352) an Bonifatius (675-354), dem Erzbischof von Mainz, angedeutet (18). Er empfahl ihm, jenen Personen, die an "morbus regius" leiden, in der Kirche die heilige Kommunion erst am Schluß nach allen anderen Gemeindemitgliedern zu erteilen (19). Laut Hrabanus Maurus (20), der von 822 bis 842 Abt des Klosters Fulda war, soll Bonifatius auch dort in diesem Sinne die Mönche gewarnt haben, indem er erklärte: "Sondert die Gelbsüchtigen von den übrigen Brüdern und Pilgern ab, damit diese nicht auch noch erkranken!" (21)

Diese scharfsinnige seuchenprophylaktische Empfehlung ist um so erstaunlicher, als man damals nur Aussätzige (bzw. Lepra-Verdächtige) abzusondern, d.h. aus der Gemeinschaft auszustoßen pflegte.

Aus jener Zeit, als die Krankenpflege noch von Klostermönchen vorgenommen wurde, ist in St. Gallen eine mit roter Tinte auf Pergament entworfene programmatische Grundrißzeichnung erhalten, die im Rahmen einer Klosterplanung (in der nordöstlichen Ecke) eine Art von Krankenhausabteilung aufweist(22). Man ist erstaunt, wie umsichtig und zweckentsprechend der Plan ausgearbeitet war und für wie wichtig den Mönchen die Pflege und Betreuung der Kranken galt. Auf dem St. Gallener Plan sieht man deutlich die Hauptgebäude des Krankenhauses (fratribus infirmis pariter locus fiste paretus = das Haus für die kranken Brüder), das ein großes Krankenzimmer (camera) und einen Speiseraum (refectorium) hatte, die beide nicht heizbar waren. Im gleichen Gebäude fanden sich dann noch das Zimmer für den Aufseher, d. h. den Stationsarzt (domus magistri corum) und ein Zimmer für Schwerkranke (locus valde infirmorum). Diese beiden Zimmer hatten einen Ofen. Schließlich enthielt dieses Hauptgebäude neben einem heizbaren Wohnraum (pisalis) noch einen Schlafraum (dormitorium) mit einer nach außen verlegten Abortanlage. Der von einem Laubengang umrahmte Binnenhof hatte wahrscheinlich in der Mitte einen Ziehbrunnen. Aus dieser Planung geht hervor, daß man die Schlafräume der Schwerkranken Mönche und des Stationsarztes von denen der übrigen Klosterbrüder trennte, was den generellen Klosterregeln widersprach, die einen gemeinsamen Schlafraum vorsehen. Offenbar wollte man auf diese Weise die Übertragungsgefahr ausschalten, wofür bei dem "Ärztehaus mit Apotheke", das ebenfalls einen Raum für Schwerkranke enthält, auch das Projekt getrennter Latrinen (für Ärzte und Patienten) spricht.


Ausschnitt aus dem Klosterplan von St. Gallen,
bestehend aus dem im Viereck angeordneten Hauptgebäude des Krankenhauses, um das sich die Krankenkapelle, Küche mit Badehaus, Aderlaß- und Laxierhaus, Ärztehaus mit Apotheke und medizinischer Kräutergarten gruppieren.
Original des gesamten Klosterplanes in der in St. Gallen, Ms. 1092

Zweifellos haben die Benediktiner hier von den praktischen Römern gelernt, die mit ihrem realistischen Sinn jedes öffentliche Gebäude, das von größeren Menschen-massen frequentiert wurde, mit räumlich sinnvoll verteilten sanitären Anlagen versahen, wofür vor allem der architektonische Grundriß des Colosseums zeugt. Doch in Benediktinerklöstern wurden - vermutlich zur Vermeidung der in miasmatischer Beziehung gefürchteten Geruchsbelästigung - analog dem erwähnten Hospitalplan - grundsätzlich sämtliche Aborte (necessaria) außerhalb der Klosterbauten - und zwar gruppenweise mit je mehreren Sitzen zusammengefaßt angelegt(23).

Doch trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen blieben noch viele ungeahnte Infektionsmög-lichkeiten. So ist z. B. im Klosterplan von St. Gallen ein geräumiges Aderlaßund Laxier-haus zur gleichzeitigen Behandlung mehrerer Mönche (mit multipler Abortanlage) vorgesehen. Zur Eliminierung der materia peccans im Sinne der antiken Humorallehre erhielten nämlich die Mönche von Zeit zu Zeit Abführmittel (24) und wurden zu bestimmten Jahreszeiten zur Ader gelassen. Letztere Prozedur wurde vom Bruder Barberius oder Tonsor vorgenommen, der sonst die Mönche rasierte und deren Tonsur ausführte (25). Da er zum Aderlaß aller angetretenen Mönche dasselbe Messer benutzte, war die Übertragung einer Hepatitisinfektion auch auf diese Weise möglich.

Eine weitere Übertragungsgefahr bildete die Benutzung von Gemeinschaftshand-tüchern. Im gemeinsamen Waschraum, wo sich die Mönche Hände und Gesicht wuschen, waren gewöhnlich vier Handtücher um den Waschbrunnen aufgehängt: eines für den Abt bzw. Propst oder Prior, eines für die Patres, eines für die Fratres und ein viertes für jene, die "keine gesunden Hände" hatten (26). Trotz Aussonderung der letzten Gruppe waren die Gemeinschaftshandtücher, besonders bei infektiösen Darm-krankheiten, ein gefährliches Übertragungsvehikel (26a).

In Anbetracht der allgemeinen Verlausung in jener Zeit ergab sich eine weitere Infektionsgefahr aus den gemeinsamen Schlafräumen und der Schlafweise der Mönche, die im 22. Kapitel der Benediktinerregel so beschrieben wird:

"Ein jeder Mönch schlafe in einem eigenen Bett ... Wenn es möglich ist, sollen alle in einem Raum schlafen; läßt aber die große Zahl der Brüder dies nicht zu, so schlafen je zehn oder zwanzig mit den Ältesten, die sie sorgsam überwachen sollen. In derselben Zeit brenne bis zum Morgen beständig ein Licht. Die Brüder sollen angekleidet schlafen ..." (27).

Die unzulängliche Körperpflege, der seltene Wäschewechsel und vor allem das Anbehalten der Kleider beim Schlafengehen förderten die Verlausung (28). Nun sind zwar Läuse lästig, stellen aber, solange in einer von ihnen befallenen menschlichen Gemeinschaft kein mit Fleckfieber oder Rückfallfieber infizierter Patient auftaucht, keine besondere Gefahr dar. Doch ein einziger Fleckfieberkranker, z. B. ein im Klosterhospiz hilfesuchender Pilger, konnte in einem solchen Milieu wie ein Funken auf einem Strohdach wirken. Im Handumdrehen war die ganze Gemeinschaft verseucht. So lautet z. B. ein Bericht aus dem Kloster La Cava bei Salerno: "Anno 1083 in monasterio Cavensi in mense augusto et settembri grassavit pessima febris cum pediculis." (Im Jahre 1083 wütete im Kloster La Cava im Monat August und September ein gräßliches Fieber mit Läusen." (29).


Jesus im Kreise der Apostel beim letzten Abendmahl.
Es sind nur wenige Gefäße und Messer vorhanden, und Judas ist gerade (nach mittelalterlicher Sitte) im Begriff, die Finger in die gemeinsame Eßschüssel zu tauchen. Kein Wunder, daß sich bei solchen Tischgepflogenheiten auch hohe Herrschaften leicht infizieren konnten.
Reichenauer Buchminiatur, Beginn des 11. Jahrhunderts.

Die Mönche erkannten zwar die Koinzidenz von Fieber und Verlausung, ahnten aber noch nichts von einem ätiologischen Zusammenhang, zumal die Verlausung damals infolge der unzulänglichen Individualhygiene auch in fieberfreien Epochen gang und gäbe war.

Trotz aller Unzulänglichkeiten war die Organisation der Benediktinerklöster für die damalige Zeit vorbildlich. Besonders die Verlagerung der Latrinen nach außerhalb und das Schlafen im Einzelbett, vor allem, wenn es sich um Kranke handelte, war ein seuchenhygienischer Fortschritt, der noch Ende des 18. Jahrhunderts in den neuen weltlichen Krankenhäusern, wo mehrere Patienten in einem Bett lagen und Abortkübel die Luft der Krankensäle verpesteten, utopisch erschien (30). Neu war auch die benediktinische Einrichtung der Klosterapotheke mit dem dazugehörigen Heilkräuter-garten (31). Mit dem Klosterhospital, in dem die Krankenpflege als ethische Pflicht galt, schuf die Caritas der Benediktiner eine wichtige Institution, die weder die griechische Polis noch der römische Staat kannte (32). Aber nicht nur das Volk, auch kirchliche und weltliche Fürsten schätzten die dort wirkenden Mönchsärzte. Beispielsweise brachte der gelehrte Benediktiner Notker (+935), genannt der "Physicus", sein Kloster St. Gallen durch seine ärztliche Kunst zu Ansehen, zumal er wiederholt zur Behandlung hochgestellter Persönlichkeiten gerufen wurde. So soll er dem an Schnupfen leidenden Bischof aus dem Geruch seines Nasenblutes vorausgesagt haben, daß er innerhalb weniger Tage an den Blattern erkranken würde. Als es nach drei Tagen zum Pustelausschlag kam, heilte er den hohen Würdenträger ohne Narbenbildung. Notker scheint aber auch Sinn für Humor gehabt zu haben. Versuchte doch Heinrich I., Herzog von Bayern (948-955), den als unfehlbar geltenden Diagnostiker einmal zu täuschen, indem er ihm den Urin einer hochschwangeren Kammerzofe als seinen eigenen zur Diagnose zusenden ließ (33). Notker, der von der Sache Wind bekommen hatte, machte das Spiel mit und erklärte erstaunt, es müßte ein Wunder geschehen sein, denn der Herzog sei schwanger und würde demnächst ein Kind gebären (33a).

Infolge ihres wachsenden Ansehens wurden gelehrte Mönche und Äbte immer häufiger in die Paläste und Schlösser des Adels eingeladen. Der Verkehr mit den Feudalherren und reiche Schenkungen ließen bei den bisher weltfremden Mönchen die Tugenden der Entsagung und Einfachheit allmählich verblassen. Sie nahmen das Gelübde der Keuschheit und Armut nicht mehr so ernst, zumal die Klöster immer reicher wurden. Kennzeichnend für die scharfen Beobachtungen und kühnen Schlußfolgerungen, die in jener turbulenten Zeit von einzelnen zuweilen getroffen wurden, ist eine Erkenntnis des weitgereisten englischen Benediktiners Adelard von Bath (+1160), der eifrigst bemüht war, die Wissenschaft der Griechen und Araber, besonders die Mathematik und die Medizin, durch Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische dem christlichen Abendland zu vermitteln(34).

Seit einem dreiviertel Jahrhundert kennen wir eine Geschlechtskrankheit ("Lymphogranuloma venereum"), die bei Männern zu einer doppelseitigen Bubo inquinale mit elefantiastischen Schwellungen am Genitale und Damm (daher auch die ältere Bezeichnung "Elephantiasis") zu Arbeitsunfähigkeit führt. Adelard von Bath erkannte, daß sich an einer anscheinend gesunden Frau Männer mit diesem Übel anstecken können, ohne daß die Frau selber erkrankt: "... cur ad mulierem sanam, si vir elephantiosus accedat non ipsa mulier, sed qui eam deinde primus cognoverit, morbum sustinebit..." Dies ist wahrscheinlich die älteste Erwähnung gesund erscheinender Keimträger (35). Da die Sitten in den Klöstern damals oft recht locker waren, ist anzunehmen, daß diese erstaunliche Erkenntnis an einigen erkrankten Mönchen gewonnen wurde, die sich an ein und derselben Frau infiziert hatten. So wird z. B. in Boccaccios "Decamerone" in der 4. Geschichte des ersten Tages von einem jungen Benediktinermönch und dessen Abt berichtet, wie sie sich abwechselnd an der gleichen Bauerndirne ergötzten.


Die Schmuckinitialen der Handschrift von Cîteaux (Moralia in Job) aus dem 12. Jahrhundert schildern auf humorvolle Weise die Tätigkeit der Mönche.
So sind z. B. zwei Fratres, die einen Baumstamm spalten, zum Buchstaben O zusammengebogen.
Ihre verschlissenen Kutten und schlechtsitzenden Hosen entsprechen zwar dem Armutsideal,
wirken aber doch sehr komisch.
Dijon, Stadtbibliothek, Ms. 170, fol. 59.

Die Verweltlichung der Klöster verwischte die Grenzen zwischen Mönchtum und Klerus, für den das Zölibat damals noch nicht obligat war. Anstelle der asketischen Gestalten traten wohlbeleibte, lebensfrohe Männer in Mönchskutten. Die Klöster, deren Insassen bisher vorwiegend aus den ärmeren Volksschichten kamen, füllten sich immer mehr mit Sprößlingen des Adels und der höheren Stände. Seit dem 9. Jahrhundert gaben in den Abteien immer häufiger Adelige den Ton an. Die alte Benediktinerregel wurde immer weniger beachtet und "wo vollends ein Kloster in die Hände eines Laienabtes überging, zogen mit ihm oft die Kriegsleute ein, die in den Gebäuden mit Weib und Kind hausten und den der Andacht und Beschaulichkeit geweihten Ort durch Würfeln, Gelage und Jagd entweihten" (36).

Die mit dieser Entwicklung unzufriedenen Mönche versuchten wiederholt eine Reform. 911 wurde in Ostfrankreich die burgundische Benediktinerabtei Cluny gegründet, von der noch im selben Jahrhundert eine Reform des gesamten Mönchwesens ausging (37). Von den zahlreichen Orden, die sich die Benediktinerregel strengster Observanz zu eigen machten, d. h. unbedingten Verzicht auf eigenen Besitz, absoluten Gehorsam und rigorose Askese, sei hier nur der der Zisterzienser genannt, der um 1100 von dem burgundischen Kloster Citeaux (Cistercium) bei Dijon seinen Ausgang nahm (38). Die Klosterschulen samt den Bibliotheken bildeten eine wichtige Vorstufe der späteren Universitäten. Die Institution des Klosterhospitals diente zwar den weltlichen Hospitälern, d.h. den städtischen "Siechenhäusern", als unerreichbares Vorbild, ver-mochte jedoch nicht den zu erwartenden Ansporn auf die Städtehygiene im Zuge der stürmischen Urbanisierung während der Kreuzzüge auszuüben. Untersagte doch die Synode zu Reims anno 1131 dem Ordensklerus das Studium der Medizin, ein Verbot, das das 2. Lateranische Konzil 1139 und die Synode von Tours 1163 unter Papst Alexander III. erneuerte, da man ernstlich befürchtete, die Mönchsärzte könnten wegen dieser nebenberuflichen Tätigkeit ihr geistliches Amt vernachlässigen. Honorius III. dehnte dieses Interdikt auch auf die Weltgeistlichen aus (39). Daher gingen nach Gründung der ersten Universitäten (Salerno, Bologna, Padua), als die Krankenbehandlung immer mehr von Laienärzten ausgeübt wurde, auch viele im klösterlichen Milieu gewonnene Erkenntnisse verloren, so daß z. B. in dem berühmten salernitanischen Merkvers unter den acht für kontagiös gehaltenen Krankheiten die Gelbsucht überhaupt nicht mehr erwähnt wird: "Febris acuta, ptisis, pedicon, scabies, sacer ignis, anthrax, lippa, lepra nobis contagia praestant" ("Akutes d. h. pestartiges Fieber, Schwindsucht, Fallsucht, Krätze, Erysipel bzw. Mutterkornbrand, Milzbrand, Trachom, Lepra sind uns als ansteckend bekannt").

Während die später oft bespöttelten Mönchsärzte in den Klosterhospitälern bei einem relativ konstanten Stammpersonal mit den Anamnesen ihrer erkrankten Mitbrüder bestens vertraut waren, boten die städtischen Hospitäler mit ihrer permanenten Fluktuation von Kranken und Gebrechlichen viel ungünstigere Voraussetzungen für klinische Beobachtungen und epidemiologische Erkenntnisse, ganz abgesehen davon, daß das medizinisch ungebildete Pflegepersonal dazu gar nicht geeignet war.

Auch die Laienhospitäler in den Städten waren aus der Idee der christlichen Nächstenliebe entstanden. Es handelte sich nicht um Heilstätten im heutigen Sinne, sondern um karitative Pflegeanstalten mit durchweg kirchlichem Charakter für Hilfsbedürftige aller Art. Neu war an dieser Institution, daß sich das Allerheiligste (d. h. eine Kapelle) mit den Kranken unter einem Dach befand (40). Denn seelsorgerische Betreuung hatte Vorrang gegenüber der medizinischen Fürsorge. Daher gab es in den städtischen Laienhospitälern stets einen Priester, jedoch fast nie einen Arzt (41). Bei dem Bautypus wurde eine Anordnung des unmittelbaren Zusammenhangs von Spitalsaal und Kapelle bevorzugt, was den bettlägerigen Kranken, besonders den Todgeweihten, die direkte Teilnahme am Gottesdienst ermöglichte(42). Unablässig dachte man an den Tod, aus Angst vor der Strafe im Jenseits, an den Tod, der allem Glanz ein Ende macht und alle Unterschiede irdischen Ranges aufhebt (43). Man glaubte, alles bestünde nur im Hinblick auf Gott, nur als Gleichnis des Ewigen. Selbst im Kranken und Schwachen sah man nur eine Verkörperung Christi, der einmal gesagt hatte: "Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (Matth. 26,40).

Doch nicht nur aus Mit-Leid, d. h. aus Liebe zu Gottes Sohn, der für die Welt gelitten hat, sondern noch mehr aus Angst vor der Strafe im Jenseits übte man die Werke der Barmherzigkeit. Glaubte man doch, daß Christus am Jüngsten Tage die Guten von den Bösen scheidend, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken, zu denen er an seiner Rechten sagen wird: "Kommt her, Ihr gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ... Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht" (Matth. 25, 34-36). Zu denen an seiner Linken aber wird er sagen: "Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer ... Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan" (Matth. 25, 41-45)(44).

Doch mit der Caritas allein war es nicht getan. Die sinnvolle Einteilung des Kloster-hospitals, wo gewöhnliche Kranke und Gebrechliche gesondert von "ansteckenden Kranken" in separaten Räumen oder Häusern untergebracht wurden, war in Vergessenheit geraten. Als während der schweren Pestausbrüche seit dem 14. Jahr-hundert die Stadtkommunen zwecks Absonderung Kranke und Pestverdächtige in den ohnehin schon überfüllten Gemeinschaftssälen dieser Gebäude unter unzulänglichen sanitären Bedingungen - oft mehrere in einem Bett - unterbringen mußten, wurden diese Institutionen der Caritas oft zu Stätten apokalyptischen Grauens. Die Einlieferung in ein solches städtisches Hospital (Siechenhaus) während eines Seuchenausbruchs kam daher fast einem Todesurteil gleich (45).


Anmerkungen

(1)
Benedikt von Nursia (480-543), der Gründer des nach ihm benannten Benediktinerordens, legte im Jahre 529 auf einem über 500 m hohen Berg das Kloster Monte Cassino an und erteilte seinen Mönchen zugleich eine Regel (Statuten), die später für die Benediktinerklöster verbindlich wurde. Zur Zeit Karls des Großen, um das Jahr 800, beherrschte die Benediktinerregel die Lebensform aller Klöster des großen Karolingerreiches.

(2)
Das antike Vermächtnis überlegter Ortswahl schienen die Benediktiner strikt befolgt zu haben. Sie verstanden es, ihre Klöster in die schönsten Landschaften zu bauen, aber nur dorthin, wo der Boden auch die elementaren Bedürfnisse einer großen Lebensgemeinschaft mühelos befriedigen konnte - also wo es Wasser und Korn gab. Der klösterliche Mustergroßbetrieb der Zisterzienserabtei Clairvaux wurde von einem zeitgenössischen Mönch (Ende des 12. Jahrhunderts) so beschrieben: Einer der Flußarme fließt durch zahlreiche Werkstätten der Abtei ... Zuerst durch die Mühle, um das Getreide mit Mühlsteinen zu zerstoßen und mit dem Sieb die Kleie vom Mehl zu sondern. Und dann ist er schon im nächsten Gebäude der Bierbrauerei... Neben den Mühlen liegen die Walken. War er vorher für die Ernährung der Mönche tätig, so jetzt für ihre Kleidung ... Abwechselnd hebt und senkt es die Schlegel und befreit so die Walker von harter Arbeit ... Dann wird er von der Gerberei aufgenommen, wo er sich denen, die das Schuhwerk der Brüder herstellen, willig zur Verfügung stellt. Nachdem er sich dann in viele kleine Wasserläufe aufgeteilt hat, durchspült ein Nebenarm, der zur Bewässerung der Ländereien dient, die unter den "necessaria" (Aborten) befindlichen Rohre und schwemmt allen Unrat davon." Descriptio positionis seu situationis Monasterii Claraevallensis, Migne, Patrologia latina 185, col. 570 A-571 B. Zitiert in: S. Schiwietz, Das abendländische Mönchtum. Leipzig 1914, S. 33.

(3)
Henry E. Sigerist, Die Heilkunst im Dienste der Menschheit. Stuttgart 1954, S. 20-21. - Es ist größtenteils Cassiodor zu verdanken, daß die griechische Tradition im frühen Mittelalter keine Unterbrechung erlitt und daß durch die Verbindung von christlicher Liebestätigkeit mit griechischer Heilkunst die Richtung der mittelalterlichen Medizin bestimmt wurde.

(4)
Im deutschen Sprachbereich waren die Klöster der Benediktiner wie Sankt Gallen, Fulda, Reichenau, Hirsau, Corvey, Hersfeld usw. Mittelpunkte gelehrter Bildung. Die Abschriften wurden in besonderen Räumlichkeiten des Klosters, den sog. Skriptorien, angefertigt, in denen die Mönche unter strengem Stillschweigen (Silentium), beaufsichtigt von einem Bibliothekar (Armarius), tätig waren. Der Benediktiner Reginbert (+846) hat im Laufe von 40 Jahren im Kloster Reichenau 42 Bände abgeschrieben. Zugleich fertigte er einen Katalog ("Rotulus") vom Bestand der damaligen Klosterbibliothek an, in dem etwa 500 Codices in verschiedenen Inventaren verzeichnet waren. Die intensive Abschreibarbeit hatte auch einen entscheidenden Einfluß auf die Kalligraphie und Miniaturmalerei.

(5)
Der Dominikaner Vinzenz von Beauvais (ca.1190-ca.1264), ein Zeitgenosse des Thomas von Aquino, war Ratgeber und Bibliothekar des französischen Königs Ludwig des Heiligen.

(6)
In einer auf Sklavenarbeit beruhenden Gesellschaft galt alles, was mit physischer Anstrengung verbunden war, als entehrend, als eine Angelegenheit von Sklaven. Sogar Aristoteles fand die Sklaverei berechtigt, solange noch keine Maschinen erfunden seien, die die Arbeit verrichteten: "Wenn das Weberschiffchen von selbst gehen und die Plektra von selbst die Zither spielen könnte, so brauchten wir keine Sklaven mehr" (Politik I, 2,5).

(7)
"Im Schweiße Deines Angesichts sollst du dein Brot essen" (1. Mose, 3,19).

(8)
Diese levantinische Sorglosigkeit wäre im Norden schon infolge des rauhen Klimas nicht möglich gewesen. In Tschechows ergreifender gesellschaftskritischer Novelle "Krankenzimmer Nr. 6" versucht der Arzt des elenden Provinzkrankenhauses, Andrej Jefimytsch Ragin, einen dort eingesperrten geisteskranken Studenten damit zu beruhigen, "daß Diogenes in einer Tonne lebte und dennoch glücklicher war als alle Herrscher der Welt". "Predigen Sie diese Philosophie in Griechenland", erwiderte der Student, "wo es warm und nach Pomeranzen duftet, auf das hiesige Klima paßt sie nicht ... Diogenes bedurfte nicht der warmen Wohnung. Er lag in seinem Faß und aß Orangen und Oliven. Hätte er aber in Rußland leben müssen, so hätte er sich nicht nur im Dezember, sondern im Mai vor Kälte gekrümmt."

(9)
Die stark individualistischen, oft noch deutlich an das Einsiedlerleben der Anachoreten und Eremiten erinnernden Züge des orientalischen Mönchstums wurden durch die benediktinische Regel im Sinne eines klösterlichen Gemeinschaftslebens normiert und in feste Formen gebracht, ohne daß dadurch das religiös-asketische Wesen des Mönchstums wesentlich verändert worden wäre. Die eigentliche Wurzel des christlichen Mönchstums war nämlich das im Matthäus-Evangelium überlieferte Wort Christi an den reichen Jüngling: "Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe alles, was du hast und gib's den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komme und folge mir nach!" (Mattb. 19,21).

(10)
Als nach der Jahrtausendwende die Wallfahrten nach dem spanischen Santiago de Campostella (Grab des Apostels Jakobus des Älteren) einsetzten, entstanden mit den neuen Wallfahrtswegen auch neue Klosterhospize. So wird z. B. im Gedicht "Preciosa" von dem 1132 gegründeten Hospital von Ronceval (in den Pyrenäen) berichtet, in dem erkrankte Pilger von Mönchen gepflegt wurden.

(11)
Seit dem 3. Jahrhundert betrieben in Byzanz an den Wallfahrtswegen ins Heilige Land gelegene Kirchen sog. "Xenodochien" (Fremdenheime), in denen durchreisende Fremde, insbesondere erkrankte Pilger, aufgenommen und verpflegt wurden.

(12)
Über der Tür des Empfangszimmers im oberbayerischen Kloster Ettal stehen noch heute die dem Originaltext der Benediktinerregel entnommenen Worte: "Omnes supervenientes hospites tamquam Christus suscipiantur."

(13)
Die Achtung vor dem Menschen an sich kannte die Antike nicht. Mitleid galt als unwürdig. Die antiken Ärzte lehnten die Behandlung Unheilbarer grundsätzlich ab.

(14)
Paul Diepgen, Zum Einfluß der Theologie auf die ärztliche Ethik und Pflichtenlehre im Mittelalter. In: Jb. f. d. Bistum Mainz 5 (1950) 199 f. - Hans Schadewaldt, Arzt und Patient in antiker und frühchristlicher Sicht. In: Med. Klinik 59 (1964) 152.

(15)
Den Gebrauch von Bädern gestattet die Benediktinerregel (Kap. 36) gesunden und vor allem jüngeren Mönchen nur sehr ungern. Man wollte mit diesen Einschränkungen sexuelle Erregungen verhüten. So durften z. B. in den Klöstern Hirsau und Gegenbach die gesunden Mönche nur zweimal jährlich, vor Weihnachten und vor Ostern, baden (Schiwietz [wie Anm. 2] S. 47).

(16)
Kurz aber vielsagend heißt es später in der Franziskanerregel (regula secunda, Kap. VI): "Et si quis eorum in infirmitate ceciderit, alü Fratres debent ei servire, sicut vellent sibi serviri" (Schiwietz [wie Anm. 2] S. 49). - Die Vorschrift, wonach jeder Mönch die Kranken so pflegen sollte, wie er als Kranker gepflegt zu werden wünscht, entspricht in seiner Humanität dem über 500 Jahre später von Kant geschaffenen "Kategorischen Imperativ": "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

(17)
Auch das Interesse des großen Mathematikers Gerbert (Papst Sylvester II, 999-1003) für Heilkunst dürfte auf die Zeit zurückgehen, da er Abt des Klosters Bobbio war. Sogar der "Vater der Scholastik", Anselm von Canterbury (1033-1109), soll in den Jahren 1078 bis 1093 als Abt des Klosters Bec (in der Normandie) die Kranken "wie eine Mutter" betreut haben.

(18)
Der aus Essex stammende Bonifatius (675-754), eigentlich Wynfrid, auch "Apostel der Deutschen" genannt, gründete die Bistümer Freising, Passau, Regensburg, Würzburg, Erfurt etc. und wurde als Missionar in Friesland erschlagen.

(19)
"De his qui regio morbo vexantur . . , in ecclesia, dum ad communionem venorit, post omnium impletionem erit ingressurus ad participandum munus." (J. P. Migne, Epistola XII. Zacharias Papae ad Bonifacium Archiepiscopum. Patrologia latina Bd. 89 (1850) S. 951.

(20)
Eine Sammlung seiner Schriften, darunter "De rerum naturis" (meist "De Universo" genannt) ist enthalten in Mignes "Patrologia latina" Bd. 107-112.

(21)
Pierre Bouchet, Observationum medicarum et admirabilium. Paris 1624, p. 16.

(22)
Dieser Plan wurde allerdings in der vorliegenden Form nicht ausgeführt, er sollte wohl nur als Vorbild für wohlhabende Stiftungen gelten (F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre 820, in Faksimile herausgegeben und erläutert. Zürich 1811). - Der Klosterplan war beeinflußt von der rationellen Bauart des römischen Militärlagers, was Lützeler damit zu erklären versucht, daß die in der Einsamkeit und Unsicherheit errichteten, mauerumgürteten Benediktinerabteien auch die Aufgabe einer Festung zu erfüllen hatten (Heinrich Lützeler, Weltgeschichte der Kunst. Gütersloh 1959, S. 431).

(23)
Die auswärtigen Latrinen waren mit den Schlafräumen durch abgedeckte Gänge verbunden, die nachts oft sogar durch eine Laterne erleuchtet wurden. Daher auch die Bezeichnung Stuhl-Gang (Schiwietz [wie Anm. 2] S. 52).

(24)
Als Abführmittel benutzten die Mönche meist Heilkräuter und Wurzeln. So wurde z. B. später in den Klostergärten der Franziskaner der Rhabarber (Radix rhei), dem das berühmte Ordensmitglied Roger Bacon wegen seiner laxierenden Wirkung besondere Heilkraft zugeschrieben hatte, so intensiv gezüchtet, daß eine Art der Pflanze den Namen "Rheum Franciscanorum" erhielt.

(25)
Schiwietz [wie Anm. 2) S. 54. - In seinem "Glossarium ad scriptores mediae et infinae latinitatis" zitiert Charles de Fresne du Cange (1610-1688) z. B. einige Regeln des Klosters Saint Victoire in Paris, nach denen fünfmal im Jahr ein allgemeiner Aderlaß vorgenommen wurde, dem sich kein Mönch entziehen durfte, es sei denn, daß er schwer krank darniederläge. Diese Aderlässe fanden im September, vor Advent, vor Quadragesima, nach Ostern und nach Pfingsten statt. Sehr viele Laien nahmen ebenfalls die Gelegenheit wahr, sich im Kloster zu einem festgesetzten Zeitpunkt einem Aderlaß zu unterziehen (A. Castiglioni).

(26)
Schiwietz [wie Anm. 2) S. 56. - Das Bad wurde von gesunden Mönchen nach Möglichkeit gemieden. In einer Klosterordnung der Zisterzienser heißt es: "Die Mönche sollen nur zweimal jährlich baden, zu Weihnachten und zu Ostern. Sonst darf es nur mit Erlaubnis des Abtes geschehen, wenn es die Gesundheit erfordert." Die Fußwaschung war eine religiöse Übung in Demut und hatte mit Hygiene nichts zu tun.

(26a)
In bezug auf infektiöse Darmkrankheiten waren auch bestimmte Eßsitten sehr gefährlich. So zeigt z. B. eine Reichenauer Buchminiatur aus dem 10. oder 11. Jahrhundert Jesus im Kreise der Apostel beim letzten Abendmahl. Es sind nur wenige Gefäße und Messer vorhanden, und Judas ist gerade im Begriff (nach mittelalterlicher Sitte) die Finger in die gemeinsame Eßschüssel zu tauchen. Kein Wunder, daß sich bei solchen Tischgepflogenheiten auch hohe Herrschaften leicht infizierten. So soll z. B. Kaiser Otto I. im Jahre 973 nach einem Festmahl an Ruhr gestorben sein (Theodorus Engelhusen, Chronicon).

(27)
Das 22. Kapitel der Benediktinerregel schließt mit der Anweisung: "Die jüngeren Brüder dürfen die Betten nicht nebeneinander haben, sondern zwischen denen der Älteren". Wahrscheinlich sollte durch die Aufsicht der Älteren über die Jüngeren etwaigen sittlich anstößigen Neigungen ein Riegel vorgeschoben werden. Martène führt in seinem Kommentar die Auslegung des Mönches Gerardus Belga an, wonach es gut sei, "Greise, die schon kaltblütig sind, zwischen die heißblütigen jungen Mönche zu legen, um gleichsam zu verhindern, daß die Glut einer Kohle die anderen Kohlen entzündet" (Edmund Martène, Commentarius in regulam St. Benedicti. Paris 1690, S. 365).

(28)
Bereits irische Mönche, die als Missionare auf Island tätig waren, versuchten im Jahre 795 das Phänomen der Mitternachtssonne mit Hilfe der Verlausung sinnfällig zu machen: In den Monaten Juni und Juli sei es dort um Mitternacht so hell, daß man bei Fieberkranken "Läuse vom Hemd abklauben" könne ("pediculos de camisia abstrahere") (Bouchet [wie Anm. 211 p. 16).

(29)
Renzi, Storia di Medicina in Italia, Bd. Il. S. 394. - Diese Epidemie hatte sich vielleicht über weitere Gebiete Italiens ausgebreitet, denn im gleichen Jahr berichtet eine Chronik aus Brescia (Muratori XIV. 873): "fames valida, grandisque mortalitas fere hane civitatem delevit." - In Hagecii, Böhmische Chronica (deutsch von Sandel 1956. Vol. I. fol. 193) heißt es vom Jahre 1096: "Ein trefflich groß Sterben und Infection unter die Menschen; keine Sterbdrüsen (Bubonen) waren zu spüren, allein das Volk klagte über das Hauptwehe." Solche Epidemien von "Hauptweh" (oder "Hauptkrankheit", der später allgemein gebräuchlichen Bezeichnung für das mit Benommenheit einhergehende Fleckfieber) ohne "Sterbdrüsen" (also ausdrücklich von Pest unterschieden) werden in deutschen Chroniken auch aus den folgenden Jahrhunderten öfter erwähnt.

(30)
Die Benediktiner betrieben Seuchenhygiene, wie Molières Bourgeois Gentilhomme, Monsieur Jourdain, der mehr als vierzig Jahre lang Prosa redete - ohne es zu wissen" (Molière, Der Bürger als Edelmann. z. Aufzug, z. Auftritt).

(31)
Der Dominikaner Vincenz von Beauvais berichtet in seinem enzyklopädischen Werk "Speculum maius" über die zweckmäßige Einrichtung solcher Gärten, wobei er sich auf Vorschriften beruft, die er zum großen Teil von Plinius d. ß.. (Historia naturalis, lib. X, cap. 1 ff) übernommen hatte. Zahlreiche Geistliche verfaßten Kräuterbücher. Bereits der Benediktinermönch Walahfried Strabo von Reichenau beschrieb im Jahre 828 in Versform die 23 Arzneipflanzen seines Kräutergartens, von denen manche aus der Volksmedizin stammten. Die Mönche benannten viele Pflanzen - sowie die aus ihnen bereiteten Arzneimittel - nach jenen Heiligen, die als Schutzpatrone bei gewissen Krankheiten angerufen wurden. So hören wir von Benedictenwurz (Geum urbanum), Christrose (Helleborus niger), St. Clarakraut (Valerina officinalis), St. Jürgenwurz (Senecio), St. Johanniskraut (Hypericum perforatum), Katharinenblume (Nigella sativa), Laurentiuskraut (Sanicula-Arten), Mariendistel (Hydrocloa odor.), St. Odilienkraut (Delphinium), Dreifaltigkeitsblümchen (Viola tricolor), Himmelsschlüssel (Primula officinalis) usw. usf. Damals entstand der Spruch für schwere bzw. unheilbare Leiden: "Contra vim mortis non est medicamen in hortis."

(32)
In Rom gab es eine organisierte Krankenbehandlung von Gladiatoren, Sklaven und Legionären, zumal diese als Kapital repräsentierende Wertobjekte galten. "Valetudinarien" hießen diese Einrichtungen auf lateinisch. Sie wurde von Großgrund-besitzern, die viele Tausende Sklaven besaßen, auf dem Lande errichtet und mit einem "servus medicus" besetzt. Ähnliche Anstalten gab es in den Städten für verwundete Gladiatoren und in den Garnisonen für kranke Legionäre, doch war auch dort von Barmherzigkeit, die die Triebkraft ärztlichen Handelns sein soll, nichts zu spüren.

(33)
Aus der Beschaffenheit des Urins zog man die weitgehendsten Schlüsse auf die Säftemischung des Körpers, hatte doch Galen gelehrt, daß der "Harn Abbild des Leberblutes" sei, und daß man daher nach Farbe, Konsistenz und Geruch des Urins die Zusammensetzung des Blutes bei jedem Patienten beurteilen könne. Das Harnglas galt im Mittelalter geradezu als das Berufszeichen des Arztes. Schon um 1300 hatte Arnold von Villanova, Professor an der Universität von Montpellier, seinen Schülern den zynischen Ratschlag erteilt, sie sollten, wenn sie bei der Uroskopie nichts fänden, ganz kühn behaupten, es läge eine "Obstruktion der Leber" vor: "Gebraucht das Wort ,Obstruktion', da sie es nicht verstehen und es vor allem darauf ankommt, daß sie nicht wissen, was man spricht."

(33a)
Der Sinn für Humor offenbarte sich zuweilen auch in der Miniaturmalerei, besonders in den Initialen und in grotesken Plastiken, die z. B. an Säulenkapitellen oder an der Rückseite hochklappbarer Holzsitze im Chorgestühl angebracht wurden. Dies geschah, obwohl es in der Benediktinerregel heißt: "Scurrilitas vero vel verba otiosa et risum moventia aeterna clausura in omnibus locis damnamus." ("Leichtfertige Späße aber und albernes oder zum Lachen reizendes Geschwätz verdammen wir allezeit und überall.")

(34)
Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Tübingen 1957.3. Aufl. Bd. I, Sp. 92. - Im Universalienstreit verglich Adelard von Bath die bloße Autorität mit einer Halfter (Capistrum), wobei er verlangte, die Vernunft müsse zwischen Wahrem und Falschem entscheiden.

(35)
F. Bliemetzrieder, Adelard von Bath und die Naturwissenschaften. Breslau 1936, S. 41. Reiner Müller, Medizinische Mikrobiologie. München/Berlin 1939.

(36)
Hellmann, Frühes Mittelalter in der Weltgeschichte. Hrsg. Hartmann 1920, S. 91. - Laut einer zeitgenössischen Chronik erklärte ein Pater in einer Klosterkirche, in die kurz vorher der Blitz eingeschlagen hatte: "Gott hat unseren Mitbrüdern eine große Gnade erwiesen, indem sein Blitz nur ihren Kirchturm beschädigte; denn hätte er statt in die Kirche in den Weinkeller geschlagen, so wäre keiner von ihnen mit dem Leben davongekommen." In diesem Milieu entstand der Trinkspruch "Ergo bibamus!" ("Drum laßt uns trinken!"), der als "Lieblingswort" des Papstes Martin IV. (1281-85) galt und den Goethe als Titel seines Trinkliedes wählte (Schiwietz [wie Anm. 2] S. 49).

(37)
Die Reform währte ein bis zwei Jahrhunderte, doch es zog das Mönchstum in den Strudel der europäischen Politik, zumal der Stifter von Cluny das Kloster unter den unmittelbaren Schutz des Papstes gestellt hatte. Diese Verbindung des Mönchstums wurde von großer politischer Bedeutung von dem Augenblick an, als die Statthalter Christi den Kampf um die Oberherrschaft der Welt mit dem Kaisertum aufnahmen und Gregor VII., eine Persönlichkeit von dämonischer Ausstrahlung, an die Spitze der Kirche trat. Der Streit um die Investitur begann.

(38)
Die Zisterzienser erwiesen sich später als Pioniere des gotischen Baustils.

(39)
Paul Diepgen, Die Theologie und der ärztliche Stand. Berlin 1922, S. 15 ff. - Klerikerärzten sind seit dem 4. Laterankonzil 1215 chirurgische Eingriffe untersagt: "Ecclesia abhoreat a sanguine!" ("Die Kirche scheut das Blut").

(40)
Ulrich Craemer, Das Hospital im Mittelalter. Das Krankenhaus 46 (1954) 261-266; 388-392; 429-433. - Craemer bringt in seiner interessanten Studie sehr instruktive Zeichnungen und Grundrisse von einer ganzen Reihe mittelalterlicher Stadthospitäler, die mit einem Kirchenraum verbunden waren: Höspital St. Jean in Augers (gegründet 1153), St. Nicolas Hospital in Salisbury (gegr. 1214), Hospital in Gent (gegr. 1229), Heiligengeist-Hospital in Nördlingen (gegr. 1233), "Großes Heiliggeist- oder Trinitatis-Hospital in Hildesheim" (gegr. 1230), Hl. Geist-Hospital in Lübeck (gegr. 1280), Hôtel Dieu du Saint Esprit in Tonnere (gegr. 1293), Heiliggeist-Hospital in Nürnberg (gegr. 1339), Siechen- bzw. Pesthaus in Gudensberg (gegr. 1365), Heiliggeist-Hospital in Freysa (gegr. 1367), Hl. Geist-Hospital in Erfurt (gegr. 1385), Hl. Geist-Hospital in Frankfurt (gegr. 1283 bzw. 1468) usw. usf.

(41)
Erst 1500 erhielt als erstes das Straßburger Hospital einen angestellten Arzt. Leipzig folgte 1517, das Hötel Dieu in Paris 1536. - Bekannt ist der Streich von Till Eulenspiegel, der sich in Nürnberg als Wunderdoktor ausgab und dem Spittelmeister des Heiliggeist-Hospitals versprach, für 200 Gulden seine Patienten zu heilen. Till sprach einzeln mit jedem Kranken, und als er am nächsten Tag mit dem Spittelmeister in der Tür erschien und rief, wer nicht krank sei, komme heraus, da liefen und humpelten alle hinaus, etliche, die seit Jahren das Bett nicht verlassen hatten. Kaum war Till mit der Belohnung davongeritten, da kamen alle Kranken wieder zurück und erzählten dem verblüfften Spittelmeister, der Doktor hätte ihnen insgeheim anvertraut, er müßte den Kränksten unter ihnen, der nicht mehr aus dem Bett herauskönne, zu Pulver verbrennen, mit dem er sie dann heilen würde.

(42)
Das Vorbild dieses Hospitaltyps war im Grundrißschema der Stiftskirchen gegeben: entsprechend dem Kirchenschiff für die Laiengemeinde war der Hospitalsaal der Krankengemeinde vorbehalten. Aus diesem baulich sakralen Charakter erklärt es sich, daß viele mittelalterliche Hospitäler fälschlich als Kirchenbauten angesehen werden (Craemer [wie Anm. 401 Heft 8, S. 263).

(43)
Das Jüngste Gericht, der Tag des Zornes - dies irae, dies illa schwebte als apokalyptische Vision über den Menschen. Der Schrecken vor dem Weltenrichter erfüllte sie mit Angst, denn sie wußten sich schuldbeladen. "Rex tremendae maiestatis" hieß es von Gott in dem erschütternden kirchlichen Gesang, mit dem sie in letzter Not verzweifelt um Beistand flehten. Doch leise regte sich die Hoffnung: "hic est Deus caritatis."

(44)
Die Ausübung der "Sieben Werke der Barmherzigkeit' (Mattb. 25, 34-45) wurde in Verbindung mit dem Jüngsten Gericht zu einem beliebten Motiv der gotischen Malerei. Berühmt und aufschlußreich sind die sieben Tafeln des Meisters von Alkmar, die den Bildersturm in Holland überdauerten und bis 1918 die Lorenzkirche zu Alkmar schmückten. Heute befinden sie sich im Rijksmuseum zu Amsterdam.

(45)
Victor Fossel, Hygiene einst. Leipzig 1904, S. 9.


Copyright by the author - Alle Rechte beim Autor
Erstmalig gedruckt erschienen in "Hamburger Ärzteblatt" (41) Seite 231-241
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