Stefan Winkle

Die Seuchengeschichte der Papageienkrankheit


Meinem einstigen Mitarbeiter, dem Mikrobiologen Dr. med. Wolfgang Weimershaus, in alter Freundschaft gewidmet.

Einleitung

Die Psittakose (Ornithose) ist eine schwere Infektionskrankheit, die vor 120 Jahren durch ihre pandemische Ausbreitung die Menschen in einen panischen Schrecken versetzte. Sie erhielt ihren Namen von dem griechischen Wort Psittakos für Papagei, da zuerst diese Vogelart als Krankheitsquelle erkannt wurde. (1) Die Psittakose ist primär eine tierische Infektionskrankheit, die vor allem Vogelliebhaber und Vogelhändler befällt. (2)

Infizierte Papageien werden nach einer Inkubationszeit von ein bis vier Wochen müde, matt und verweigern die Nahrung. Neben beschleunigter Atmung leiden sie in der Regel an Durchfällen und Schnupfen. Hierbei verunreinigen sie ihr gesträubtes Gefieder mit übelriechenden, grünlichen Darmentleerungen und Schleimabson-derungen aus dem Schnabel. Die immer schwächer und teilnahmsloser werdenden Tiere sitzen meist mit geschlossenen Augen auf der Stange oder stecken ihren Kopf unter die schlaff herabhängenden Flügel. Schließlich verlassen sie auch die Stange und hocken nur noch apathisch und schläfrig auf dem Boden ihres Käfigs. Sie gehen gewöhnlich unter Krämpfen in der zweiten Krankheitswoche, manchmal aber auch noch später ein.

Auf den Menschen kann der Psittakoseerreger durch Kontakt-, Tröpfchen- oder Staubinfektion übertragen werden. Die Inkubation dauert etwa 8 bis 14 Tage. Im Anfangsstadium lassen Kopfschmerzen, Mattigkeit, leichtes Frösteln, heftige Kreuz- und Gliederschmerzen sowie Appetitlosigkeit fast stets an eine Grippe denken. Dabei fehlen jedoch -und das ist besonders charakteristisch - die katarrhalischen Erscheinungen der oberen Luftwege und der Reizhusten. Das Fieber steigt sehr schnell auf 39-40° C an. Von seiten des Magendarmkanals kommt es zu Störungen, die sich in Verstopfungen oder noch häufiger in Durchfällen mit erbsensuppenähnlichen und blutig-schleimigen Stühlen äußern. In diesem Stadium hat das schwere Krankheitsbild der benommenen Patienten einen typhösen Charakter.

Gegen Ende der ersten Krankheitswoche machen sich Erscheinungen von seiten der Lungen wahrnehmbar. Durch Perkussion und Auskultation ist jedoch kaum etwas festzustellen, da sich die Herde besonders in den zentralen Lungenpartien ausbilden. Nur mit Hilfe der röntgenologischen Untersuchung kann man pneumonische Infiltrationen von keilförmiger Ausdehnung beobachten. Das meist völlige Fehlen von Auswurf hat der mit Husten verbundenen Krankheit auch den Namen "sputumlose Pneumonie" eingebracht. Charakteristisch ist ferner, daß die keilförmigen Herde (mit der Spitze nach dem Hilus gerichtet) rasch und häufig Ort und Form wechseln, weshalb man gelegentlich den Eindruck einer "wandernden Pneumonie" hat.

Eine stete Gefahr für den Patienten bedeutet die Miterkrankung der Kreislauforgane, die schon von Anfang an in der Pulsverlangsamung zum Ausdruck kommt. Der Tod wird meist durch das Versagen des Kreislaufs, verbunden mit einer Flüssigkeitsanschoppung in der Lunge, bedingt. Gegen Ende der zweiten Krankheitswoche ist diese Gefahr am größten. Besonders gefährdet sind ältere Personen, deren Kreislauf meist schon von vornherein geschädigt ist. Bei günstigem Verlauf ist mit einer 4- bis 5wöchigen Krankheitsdauer und einer ebenso langen Rekonvaleszenz zu rechnen, wobei aber häufig Kreislaufstörungen zurückbleiben.


Abb. 1
Psittakose
Keilförmiges Infiltrat im linken Unterlappen am Ende der ersten Krankheitswoche.

Vorgeschichte

"So manche Krankheit hält man für neu, nur weil man sie früher mit anderen verwechselte oder nicht genügend beachtete", schrieb Henle. Das gilt auch für die Psittakose, die man ebenfalls für eine neue Infektionskrankheit hielt, als sie vor 120 Jahren erstmals in Europa epidemisch auftrat.

Es wird vermutet, daß sich der endemische Urherd der Psittakose in Südamerika befand, wo die Urwälder von zahllosen Papageien bevölkert sind. In manchen Gegenden stellen die "gefiederten Affen", wie sie manche Eingeborene nennen, eine wahre Landplage dar, "denn sie richten durch diebische Einfälle in Weizen- und Maisfeldern sowie Obstgärten ähnliche Verwüstungen an wie ihre vierbeinigen Namensvetter." (3) Dennoch gehören einzelne Papageienarten zu den Lieblingen der Eingeborenen, von denen sie seit jeher gefangen und gezähmt werden. Schon Kolumbus beobachtete auf den Antillen, "daß zahme Papageien vor den Indianerhütten noch zwangsloser herumflattern als Tauben und Hühner auf unseren Bauernhöfen." (4) Besonders groß war die Vorliebe der Urvölker für die kostbaren Papageienfedern. Wie Poeppig berichtet, mußten in lang vergangenen Zeiten "die Bewohner der wärmeren Waldgebiete den Inkas solche Federn als Frongabe zum Schmücken ihrer Paläste darbringen. Nach alten Chroniken waren es diese Federn und die Koka, die einst die Urbarmachung und Besiedelung der gefürchteten ,heißen Wälder` veranlaßten." (5)

In Anbetracht eines so innigen Kontaktes mit Papageien bzw deren Federn drängt sich von selbst die Frage auf, ob nicht bei den Eingeborenen auch schon früher psittakoseartige Erkrankungen vorgekommen sind. Und tatsächlich enthält eine alte Reisebeschreibung den Brief eines Jesuitenpaters (Fra Bartolomeo) aus dem Jahre 1615, worin von einer "Pest" berichtet wird, die in der kalten Jahreszeit in Peru unter den Eingeborenen aufzutreten pflegte und deren wichtigste Symptome, hohes Fieber, Gliederschmerzen und Benommenheit waren. "Das Auffallendste an dieser Pest ist, daß sie die Männer unberührt läßt und fast nur Frauen ergreift, von denen sehr viele sterben. Dieses Schicksal trifft stets diejenigen Frauen, die ein Kind unter dem Herzen tragen." (6)

An einer anderen Stelle des Briefes heißt es, daß die Eingeborenen verschiedene Papageienarten "als Haustiere" hielten, deren Fleisch zwar hart, aber sehr fett sei und deshalb eine kräftige Brühe gibt. "Von den prunkvollen Federn pflegen die Frauen in der kalten Jahreszeit allerlei unnützen Putz herzustellen." (7) Diese Bemerkung läßt vermuten, daß es sich bei der geheimnisvollen Krankheit, deren Auftreten zeitlich mit der Verarbeitung von Papageienfedern zusammenfiel, wahrscheinlich um Psittakose handelte, zumal es bekannt ist, daß deren Erreger an infizierten Federn monatelang lebensfähig bleiben können. Auch bei der sog. Sturmmöwenpneumonie, die vor sieben Jahrzehnten auf den Faröern beim herbstlichen Einmachen von jungen Sturmmöwen beobachtet wurde, erkrankten hauptsächlich Frauen und Kinder, die mit dem Rupfen der Federn beschäftigt waren. Wahrscheinlich führte auch bei der Herstellung von Federmosaiken und anderen Putzgegenständen der keimhaltige Gefiederstaub oft zu einer Inhalationsinfektion. Nach Dr. Menk, einem ehemaligen Mitglied des Reichsgesundheitsamtes, der nach dem ersten Weltkrieg längere Zeit in Kolumbien gelebt hat, soll dort seit Menschengedenken eine grippeartige Erkrankung vorkommen, die im Volksmund "pajaro azul" (spanisch: "blauer Vogel") heißt, weil man zwischen ihr und dem Umgang mit Papageien einen Zusammenhang vermutete. (8)

Auch in Europa dürften zuweilen unklare Todesfälle in Familien, die Papageien oder Wellensittiche besaßen, auf eine Infektion durch diese Vögel zurückgegangen sein. Eine Kalendergeschichte aus dem 18. Jahrhundert berichtet von einer alten Gräfin, der mit dem Wunsch für ein langes Leben ein gesprächiger Papagei geschenkt wurde, über den sie sich sehr freute und ihn mit Süßigkeiten fütterte. Doch nach wenigen Tagen erkrankte das Tier, fraß und plauderte nicht mehr und saß mit gesträubtem Gefieder da. Als es bald danach verschied, erkrankte auch die Gräfin und "starb vor Gram". Ihre Nichte und Kammerfrau, die sie aufopfernd gepflegt hatten, blieben gesund. (9) Doch ähnlich wie die alten Griechen den epidemiologischen Zusammenhang zwischen tierischer und menschlicher Tollwut lange nicht erkannten, scheint es zunächst auch bei der Psittakose gewesen zu sein. (10)


Abb. 2
Franz Francken (1581-1642):
Frühstück in der Bildergalerie (Alte Pinakothek München).
Der hier geschilderte Raum befand sich im Hause des Antwerpener Bürgermeisters Nicolas Rockox. Rechts von den Tafelnden zwei Papageien.

Mikrobiologische Ära

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der wachsende bürgerliche Wohlstand immer mehr Menschen den Luxus exotischer Vögel ermöglichte, kam es mit deren Massenimport nach Europa zu einer auffallenden Häufung von schweren Pneumonien in Vogelliebhaberfamilien, die den Verdacht aufkommen ließ, daß die rätselhaften Erkrankungen mit den Papageien in einem kausalen Zusammenhang stellen könnten.

"In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts", berichtet Friedrich Wilhelm Fürst zu Isenburg, "besuchte ich das Frankfurter Gymnasium. 1864 oder 1865 warnte uns unser Hausarzt Dr. Fabricius vor näherer Berührung von Papageien. Sie würden öfters von einer Lungenentzündung befallen, die auf den Menschen übertragbar und sehr gefährlich sei. Es seien auch Fälle in Frankfurt a. M. vorgekommen." (11)

Die erste genaue Beschreibung dieser neuartigen Krankheit stammt von J. Ritter, der 1879 eine Gruppenerkrankung in der Familie eines Vogelliebhabers in Uster bei Zürich erlebte. Etwa 20 Tage nach dem Eintreffen einer Sendung von "exotischen Vögeln" aus Hamburg waren dort an "thyphöser Pneumonie" sieben Personen erkrankt, von denen drei starben. Ritter brachte diese merkwürdige Hausendemie mit den kranken Papageien in Beziehung. (12) Seine Vermutung wurde jedoch nur belächelt, denn die meisten Menschen hielten die Papageien "schon wegen ihrer sprichwörtlichen Langlebigkeit für außergewöhnlich gesunde Tiere", berichtete doch schon Humboldt von "einem alten Papagei in Maipures, den die Eingeborenen nur deshalb nicht verstehen konnten, weil er sich des Aturischen bediente, der Sprache eines indianischen Stammes, der längst ausgestorben war". (13) Als aber 1882 Ost bei einer ähnlichen Hausendemie in Bern wieder auf exotische Vögel stieß, da wurden auch die Skeptiker, zu denen er vorher auch selbst gehörte, vorsichtiger. (14) Von den vier Personen des Haushaltes, die an Pneumonie erkrankt waren, starben zwei. Die Familie besaß "etwa ein Dutzend exotischer Vögel". Vierzehn Tage vor der ersten Erkrankung war eine neue Sendung aus London angekommen, von der zwei Tiere verendeten.

Die erste größere Epidemie brach 1892 in Paris aus. Zwei französische Kaufleute, Marion und Dubois, hatten im Dezember 1891 in Südamerika 500 Papageien erworben, von denen aber schon bei der Überfahrt etwa 300 verendeten. In Paris teilten die beiden den Rest der Tiere untereinander und stellten sie an zwei verschiedenen Stellen aus. Das Sterben, das auf dem Schiff begonnen hatte, setzte sich in den Ausstellungsräumen fort. Dennoch wurden viele Vögel an Einzelpersonen weiterverkauft, in deren Familien es bald danach zu schweren Pneumoniefällen kam. Insgesamt erkrankten 49 Personen, von denen 16 starben. (15) Peter bezeichnete die Krankheit zunächst als "Typhus des perruches" (Papageientyphus) und später als ,maladie des perruches" (Papageienkrankheit). (16) Den Namen "Psittacosis", der wie bereits erwähnt, vom griechischen Wort psittakos (= Papagei) stammt, prägte drei Jahre später Morange. (17)

Die Bemühungen der Bakteriologen während der Pariser Epidemie (1892/93), den Erreger zu finden, führten zu einer "Selbsttäuschung". Nocard, ein Schüler Pasteurs, der bei diesen Untersuchungen aus den Beständen von Marion und Dubois keine lebenden Vögel mehr erhalten konnte, erhielt Ende 1893 noch einige Flügel der eingegangenen Tiere. Marion und Dubois hatten nämlich, um ihren Verlust zu mindern, den an Bord verendeten Papageien, ehe man sie ins Meer warf, die Flügel abgenommen, um wenigstens diese verkaufen zu können. Aus dem eingetrockneten Knochenmark eines solchen Flügels gelang es Nocard, einen stäbchenförmigen Keim zu züchten, der sich im Tierversuch für Papageien, Hühner, Tauben und Mäuse als pathogen erwies.(18) Es handelte sich dabei wahrscheinlich um einen mit Salmonelle typhi murium nahe verwandten oder sogar identischen Keim. Obwohl Nocard seinen Bazillus bei psittacosiskranken Menschen nicht gefunden hatte, bezeichnete er retrospektiv die Psittakose-Epidemie von 1892/93 zu Paris als eine Folge des Nocardschen Bazillus, was ein flagranter Verstoß gegen die Regeln der naturwissenschaftlichen Beweisführung war.

1898 kam es in Berlin im Anschluß an eine Vogelausstellung ähnlich wie in Paris zu einer Streuung mit mehreren Hausepidemien. Exotische Vögel waren damals bereits so beliebt, daß sich in mehreren größeren Badeorten die Kurverwaltung veranlaßt sah, eine Sittichhecke zur Unterhaltung der Badegäste anzulegen.

Nach der Berliner Epidemie gab es bis zur Unterbrechung des Papageien-Nachschubes durch den ersten Weltkrieg noch eine ganze Reihe von Psittakose-Ausbrüchen in den verschiedensten europäischen Städten, ohne daß man im Hinblick auf die mikrobiologische Diagnostik einen Fortschritt erzielt hätte. Vom epidemiologischen Standpunkt aus ist wohl die Epidemie von Zülpich im Jahre 1909 bemerkenswert. Es erkrankten dort insgesamt 26 Personen, von denen fünf starben. Im Anschluß an den Kauf eines Wellensittichpärchens erkrankte zunächst ein Ehepaar. Der Ehemann starb. Anläßlich seiner Beerdigung waren mehrere Verwandte und Freunde zum Teil von außerhalb herbeigekommen; von diesen erkrankten mehrere, ohne mit dem Leichnam in Berührung gekommen zu sein und ohne das Sterbezimmer betreten zu haben. Sie hatten sich lediglich in dem Zimmer aufgehalten, in welchem die Sittiche untergebracht waren bzw hatten dieses Zimmer nur ganz flüchtig beim Betreten der Wohnung passiert. (19) Die Gegebenheit einer Inhalationsinfektion war offenbar. Logisch denkende scharfe Beobachter hätten schon damals an der ätiologischen Bedeutung des Nocardschen Bazillus zweifeln müssen. Doch der "dilettantischen Einäugigkeit", durch die die bakteriologischen Untersuchungen der ersten Psittakose-Ausbrüche gekennzeichnet waren, entgingen selbst die gröbsten Ungereimtheiten.

Infolge des ersten Weltkrieges und der danach folgenden schweren Krisenzeit hörte die Einfuhr teurer exotischer Vögel nach Europa vorübergehend auf. So kam es, daß die Papageienkrankheit mit ihrer ungeklärten Ätiologie und Epidemiologie fast völlig in Vergessenheit geriet, bis sie dann im Jahre 1929 durch eine plötzliche pandemische Ausbreitung die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Auch der Ausstrahlungsherd dieser Pandemie befand sich in Südamerika.


Abb. 3
Honoré Daumier (1808-1879)
Als Verhöhnung der "Mikroskopierwut" wurde diese Karikatur während der Psittakose-Epidemie 1892/93 in verschiedenen Tageszeitungen gebracht.

In den Monaten Juli und August des Jahres 1929 wurde die Bevölkerung Córdobas, einer argentinischen Stadt, von bösartigen Pneumonien unklaren Charakters heimgesucht. Wenige Wochen vor Ausbruch der Epidemie hatten einige Vogelhändler 5.000 Papageien aus den verschiedensten Gegenden (Brasilien, Bolivien und Paraguay) zusammengekauft. Schon während des Eisenbahntransportes, bei dem "die Käfige mit ihrem Inhalt schlechthin wie tote Ware nach dem Gewicht berechnet und dementsprechend behandelt wurden", begann ein Sterben unter den empfindlichen Tieren. Die skrupellosen und gewinnsüchtigen Händler, denen es nur um ihren Verdienst ging, setzten in Córdoba kurzentschlossen zwei Versteigerungen an, um möglichst viele von ihren Tieren noch lebend an den Mann zu bringen. Diese Versteigerungen haben bei der Ausbreitung der Psittakose in der Stadt eine verhängnisvolle Rolle gespielt, denn viele der verkauften Vögel waren infiziert und verursachten in den Familien der Käufer schwere Lungenentzündungen. Da Juli und August in Südamerika keine Sommer-, sondern Wintermonate sind, dachte man zunächst an Erkältungskrankheiten oder Grippe, doch Dr. Barros erkannte, daß es sich um eine epidemische Ausbreitung von Psittakose handelte. Er ermittelte 15 Familienherde mit 80 Erkrankten, die alle mit Papageien Kontakt hatten. Auch vier von den in den Vogelhandlungen angestellten Versteigerern erkrankten. Als nun den Ausstellern in Córdoba der Boden unter den Füßen zu heiß wurde und sie auch keine Absatzmöglichkeit mehr hatten, verließen sie die Stadt mit einem noch beträchtlichen Bestand an Papageien und begaben sich in das nördlich von Córdoba gelegene Tucuman. Dort wiederholte sich dasselbe Spiel wie in Córdoba Auch dort starb einer der Versteigerer, ein anderer erkrankte schwer und in vielen Stadtvierteln flammten Krankheitsherde auf. (20)

Im Oktober griff die Psittakose auch auf die Hauptstadt des Landes, Buenos Aires, über. Dort machte sie auch aus dem Schein eines Theaterstückes, dessen Handlung zur Zeit der französischen Revolution spielte, blutigen Ernst. In dem Stück mußte ein Papagei auf die Bühne gebracht werden, der seinem Herrn, einem Adeligen, zum Verhängnis wurde, da er sich den Ruf "Vive le roi" nicht abgewöhnen konnte. Das Tier wurde vom Theater aus einer der verseuchten Vogelhandlungen erworben. Etwa 12 Mitglieder der Schauspieltruppe - "Royalisten wie Jakobiner" -, darunter der Direktor, erkrankten schwer. Zwei starben. Auch das Tier erkrankte und starb. Als dann die Seuche auch eine Anzahl bekannter Persönlichkeiten, darunter den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, dahinraffte und die Aufmerksamkeit der gesamten Öffentlichkeit durch die Tagespresse auf die "Papageienpest" gelenkt wurde, kam es zu einer wahren Panikstimmung. (21)

Diese Ereignisse führten zu einer Kaufsperre von Papageien im Innern des Landes. Allein die Mannschaften und Passagiere der Schiffe, die argentinische Häfen anliefen, ahnten nichts von der Krankheit und machten deshalb von dem reichlichen Angebot um so mehr Gebrauch, als man die Tiere wegen des "Käuferstreiks" der Einheimischen um jeden Preis loszuwerden suchte. Da auch im Auslande die argentinische Epidemie zunächst unbekannt blieb, gelang es den Händlern, "ihre heiße Ware nach auswärts abzusetzen", was eine Verschleppung der Psittakose nach den Vereinigten Staaten und Europa zur Folge hatte.


Abb. 3
François Hubert Drouais
Familienbild 1758. Schloß Versailles
Links neben den musizierenden Kindern ein Papagei.

Ab November 1929 kam es in den Vereinigten Staaten (in New York, Baltimore, San Francisco, Chicago und Washington) zu zahlreichen Psittakose-Ausbrüchen. Es handelte sich dabei fast durchweg um streng umgrenzte Hausendemien, die sich stets um einen frisch erworbenen Papagei konzentrierten. Dennoch gab es zunächst noch viele Skeptiker, die einen kausalen Zusammenhang zwischen der geheimnisvollen Seuche und den "harmlosen Tieren" nicht wahrhaben wollten. So erschien damals in einer großen amerikanischen Tageszeitung eine Karikatur des bekannten Zeichners Webster: "Eine furchtsame Seele:' Sie stellt einen Straßenpassanten dar, wie er sich im Vorbeigehen am Schaufenster eines Vogelhändlers vor lauter Angst das Taschentuch vor Mund und Nase hält.

Indessen starben immer mehr Leute am "parrot fever" (Papageienfieber). Januar 1930 erreichte die Epidemie ihren Höhepunkt. So mancher von denen, die sich noch unlängst über Websters Karikatur lustig machten, bekam es nun selbst mit der Angst zu tun. Mitte Januar gab McCoy, der Leiter des Hygienischen Institutes in Washington, seinem Mitarbeiter Armstrong den Auftrag, sich mit der Psittakose intensiver zu beschäftigen. Im roten Ziegelbau am Potomacfluß war damals von dieser Krankheit kaum mehr bekannt als ihr Name. Dutzende von kreischenden und flügelschlagenden Papageien wurden für die geplanten Versuche angeschafft und in primitiven Käfigen in einem kleinen Kellerraum des Institutes untergebracht, der zugleich als Versuchslabor dienen sollte. Nachdem Armstrong aus Baltimore einen an Psittakose verendeten Papagei erhalten hatte, konnte er mit der Arbeit beginnen. Er wurde dabei von einem Laboranten (Shorty) unterstützt.

Da man noch allgemein der Ansicht war, der Erreger der Psittakose sei der Nocardsche Bazillus, beimpfte Armstrong mit dem Darminhalt des toten Vogels und mit einer Verreibung seiner Leber und Milz eine Reihe von bakteriologischen Nährböden. Gleichzeitig spritzte er dasselbe Untersuchungsmaterial mehreren Papageien in die Brustmuskulatur. Die bakteriologischen Nährböden blieben jedoch auch nach mehrtägiger Bebrütung steril oder sie wiesen (wie z. B. die "Stuhlplatten") nur ein Wachstum von unverdächtigen Keimen auf. Der Nocardsche Bazillus konnte in keinem Falle nachgewiesen werden. Dagegen verhielten sich die geimpften Papageien von Tag zu Tag verdächtiger. Sie fraßen immer weniger, bekamen Durchfälle und hockten mit besudeltem, aufgeplustertem Gefieder apathisch in ihren Käfigen. Innerhalb von acht Tagen hatten sie sich alle "aus kreischenden und wild um sich hackenden grünen Teufeln in nachdenkliche Philosophen" verwandelt. Inzwischen bekam Armstrongs Mitarbeiter, der Laborant Shorty, Schüttelfrost und mußte unter dem Verdacht einer "Papageien-Pneumonie" ins Marine-Hospital eingeliefert werden. (22)

Gleichzeitig damit kamen auch in anderen amerikanischen Großstädten ähnliche Laborinfektionen vor. In Baltimore erkrankte der städtische Hygieniker und bekannte Rickettsienforscher William Royal Stokes, von dem Armstrong noch vor kurzem seinen ersten toten Papagei erhalten hatte. Im städtischen Hygiene-Institut von New York fielen an derselben Infektion vier Mitarbeiter des bekannten Bakteriologen Krumwiede aus, so daß die weiteren Arbeiten in das Rockefeller Institut verlegt werden mußten.

Die gehäuften Laborinfektionen waren vorwiegend darauf zurückzuführen, daß man in der ersten Zeit weder den Erreger noch die Art der Übertragung kannte und daher bei den Psittakosearbeiten - entgegen der Darstellung von De Cruif - nicht die nötige Vorsicht walten ließ. Gemäß der Nocardschen Behauptung, der Psittakose-Erreger sei ein paratyphusartiger Keim, nahm man fast nur die Möglichkeit einer Kontaktinfektion an, und versuchte, sich daher höchstens mit dicken Gummihandschuhen vor den Schnabelschlägen der erregten Tiere zu schützen. Die Gefahr einer Staub- und Tröpfchen-Infektion begann man erst zu erwägen, als wiederholt Fälle bekannt wurden, bei denen die Patienten weder mit den kranken Vögeln noch mit den infizierten Menschen in Berührung gekommen waren, sondern -wie einst bei der Zülpicher Epidemie - lediglich das Papageienzimmer betreten bzw passiert hatten. Aus dieser Erkenntnis ergab sich die Forderung, daß bei Psittakosearbeiten außer Gummihandschuhen auch ein Atemschutz zu tragen, sei. (23)

Seit Ende 1929 war es auch in verschiedenen westeuropäischen Großstädten, vor allem in Einfuhrhäfen wie Hamburg im Zusammenhang mit neuimportierten Papageien zu Psittakose-Ausbrüchen gekommen, was auch hier einen panischen Schrecken auslöste (24) Vielerorts wurden die armen Tiere von den zuständigen Behörden im wahrsten Sinne des Wortes für "vogelfrei" erklärt. So ordnete z. B. in einer großen deutschen Hafenstadt, deren Name ich bewußt verschweigen möchte, die Gesundheitspolizei an, daß alle auftreibbaren Papageien "umgehend zu vernichten" seien. Die Anordnung mußte von einem aus Desinfektoren bestehenden "Seuchentrupp" ausgeführt werden. Nachdem man die beschlagnahmten Tiere aus den verschiedensten Vogelhandlungen in einen großen Saal gebracht hatte, begann die "Exekution". Die ahnungslosen Desinfektoren, die nicht einmal durch Gesichtsmasken gegen eine eventuelle Infektion geschützt waren, nahmen die Vögel nacheinander aus den Käfigen heraus und schmetterten sie an die Wand, so daß der Raum während des grauenhaften Massakers mit herumfliegenden Federn der unglücklichen Tiere erfüllt war.

Da zufällig ein namhafter Hygieniker von der Anordnung erfahren hatte, die die ganze Seuchenbekämpfung in Mißkredit bringen konnte, ließ er sich schleunigst dahinfahren und unterbrach die eben angelaufene Vernichtungsaktion. Die zuständige Behörde, die er telefonisch alarmierte, "hatte in der überstürzten Hast vergessen, der Anordnung eine entsprechende Arbeitsanleitung beizufügen". So kam es, daß die Desinfektoren, die zum ersten Mal mit einer solchen Aufgabe konfrontiert wurden, anstatt die Vögel zu chloroformieren, eine unnötige und empörende Tierquälerei begingen, an deren Folgen sogar zwei von ihnen schwer erkrankten. (25)

Aber auch andere Maßnahmen, wie z.B. die Quarantänisierung der verdächtigen Tiere, waren nicht viel sinnvoller und für das Personal äußerst gefährlich. So erklärte der Hamburger Landestierarzt, der sich durch Nichtbeachtung der Inhalationsgefahr in dieser Institution eine Psittakose-Infektion zugezogen hatte: "Bei dem Besuche der Quarantänestation, in welcher die frisch importierten Papageien untergebracht waren, fand ich die Tiere in einer geradezu tropischen Hitze, die man erzeugt hatte, um die Tiere in dem gewohnten Tropenklima zu erhalten; außerdem waren überall große Wasserbecken aufgestellt, um den Wassergehalt der Atmosphäre zu erhöhen. Ich bin nur wenige Minuten in der Baracke gewesen, habe keins der Tiere berührt und mich auch in einer gewissen Entfernung von ihnen gehalten. Etwa acht Tage nach der Besichtigung wurde ich schwerkrank ins Krankenhaus überführt." (26) Zu den 50 in Hamburg registrierten Psittakose-Kranken gehörten sieben Tierärzte, die sich alle in der PapageienQuarantäne angesteckt hatten? (27) Daß die Hanseaten aber auch in dieser Situation den Humor nicht verloren, bewies ein Hamburger Schokoladengeschäft, das im Schaufenster "geschäftstüchtig" garantiert "psittakosefreie Papageien" aus Schokolade anbot. (28)


Abb. 5
Karikatur über die von vielen Vogelhändlern für ein "Gelehrtenhirngespinst" gehaltene Psittakoseangst (1929).

In der Erkenntnis, welche Gefahr die Psittakose und die Angst vor ihr für ihr Gewerbe bedeutet, versuchten die Vogelhändler und Züchter die Papageienkrankheit in der Presse als ein "Hirngespinst der Bakteriologen" darzustellen. "Die sog. Psittakose ist", so argumentierten ihre Vertreter, "eine Pneumonie, eine Grippe oder ein Paratyphus und der kausale Zusammenhang mit den Papageien als Infektionsquelle ist ein Trugschluß, eine Selbsttäuschung. Die Ungefährlichkeit des Umganges mit Papageien ist am besten daraus zu ersehen, daß wir (d. h. die Vogelhändler) ebenso wenig wie unser Personal an Psittakose erkranken:' Die Seuchestatistiken bewiesen jedoch , überall gerade das Gegenteil von dieser Behauptung. So betrafen z.B. nach Meyer und Eddie von 66 Psittakosefällen in Kalifornien 25 (=30 Prozent) Inhaber von Vogelhandlungen oder deren Familienmitglieder. (29)

Um die Furcht der Käufer zu zerstreuen, ließen die Vogelhändler Filmschauspielerinnen mit Papageien photographieren; verschiedene Zeitungen und Zeitschriften brachten diese Bilder, auf denen die gefährliche Unsitte des "Küßchengebens" den Eindruck eines harmlosen Spieles erwecken sollte. Dennoch wurden viele Vogelbesitzer von einer geradezu panischen Angst ergriffen. Immer wieder erschienen sie in den bakteriologischen Instituten mit der Bitte, ihre Papageien oder Wellensittiche, die sie lebend in Käfigen mitgebracht hatten, zu untersuchen. Wie ich es von Geheimrat R.O.Neumann, dem einstigen Direktor des Hamburger Hygienischen Institutes, weiß, waren damals die Arbeitstische des Stuhllabors mit Vogelkäfigen vollgestellt und der ganze Raum vom Gekreische der erschrockenen Tiere erfüllt. Ähnlich war es auch im Robert Koch-Institut zu Berlin. Obwohl das Mitbringen von lebenden Vögeln zur Untersuchung oft von einer grotesken Komik sein mochte und von den Witzblättern auch bis zum Überdruß unter dem geistlosen Motto: "Herr Doktor, ich habe einen Vogel..." karikiert wurde, war das Ganze doch eine sehr gefährliche und daher ernst zu nehmende Angelegenheit. Denn Papageien und Sittiche pflegen beim Annähern von Fremden instinktiv mit den Flügeln um sich zu schlagen. Ist nun ein solches Tier tatsächlich krank, so kann es das Laborpersonal schon bei dem Versuch, es aus dem Käfig herauszunehmen, durch eine Tröpfchen- oder Staubinfektion ernsthaft gefährden.

Da man aber trotz aller Mühe aus dem Untersuchungsmaterial psittakosekranker Tiere und Menschen keine Nocardschen Bazillen nachweisen konnte, die immer wieder auftretenden Laborinfektionen aber eindeutig für das Vorhandensein eines infektiösen Agens sprachen, mußte man zwangsläufig an die Möglichkeit einer Virusätiologie denken und die experimentellen Untersuchungen auch in dieser Richtung vorantreiben. Und dann folgte Schlag auf Schlag eine Reihe wichtiger Entdeckungen. Den ersten Anhalt für die Virusnatur des Psittakose-Erregers gaben die Arbeiten von Bedson, Western und Simpson (30) Sie filtrierten 1930 Organaufschwemmungen psittakosekranker Papageien durch bakteriendichte Chamberland-Kerzen und spritzten das Filtrat australischen Papageien, die dann innerhalb von zwei Wochen an einer tödlichen Psittakose-Infektion erkrankten. In demselben Jahr gelang es Levinthal am Robert Koch-Institut zu Berlin, aus der Herzbeutelflüssigkeit künstlich infizierter Papageien sehr kleine, an der Grenze der mikroskopischen Sichtbarkeit stehende, kokkenähnliche Körperchen färberisch und damit auch mikroskopisch nachzuweisen. Diese Körperchen passieren die Poren bakteriendichter Filter und wachsen nicht auf bakteriologischen Nährböden. (31) Durch Verimpfung eines Filtrates, welches nur diese Körperchen enthielt, konnte Levinthal bei Papageien mit tödlicher Sicherheit eine Psittacosis erzeugen und darüber hinaus - nach deren Tode aus ihrer Herzbeutelflüssigkeit wieder dieselben kokkoiden Gebilde nachweisen. Damit war die ätiologische Beweiskette


Abb. 6
Aufnahme aus dem Jahre 1929 mit der Unterschrift: Gib Küßchen!

Abb. 6a
Zu der gefährlichen Unsitte des "Küßchengebens" gehörte es auch, sich ein Stück Würfelzucker, das man zwischen den Zähnen oder Lippen hielt, von einem Papagei mit seinem Schnabel herausholen zu lassen.

geschlossen und auch dieser geheimnisvollen Seuche "die Maske vom Antlitz gerissen". Fast gleichzeitig, aber unabhängig von Levinthal entdeckten auch Coles in England 321 und Lillie (33) in Amerika dieselben kokkoiden Gebilde, sowohl bei infizierten Vögeln, wie auch bei psittakosekranken Menschen: sie wurden daher meist als "L.-C.-L.-Körperchen" bezeichnet. Neben der Feststellung von filtrablen Körperchen war noch eine weitere Erkenntnis von Bedeutung. So stellte der New Yorker Bakteriologe Krumwiede fest, daß weiße Mäuse für den PsittakoseErreger außerordentlich empfänglich sind. Die intraperitoneal infizierten Tiere sterben gewöhnlich nach 5 bis 10 Tagen an einer exsudativen Peritonitis. Die Inkubationszeit ist also bedeutend kürzer als bei den Vögeln. Durch die mikroskopische Untersuchung des fadenziehenden Peritonealexsudates konnte Krumwiede feststellen, daß im positiven Falle die Exsudatzellen stets Elementarkörperchen enthalten, wodurch die Labordiagnose der Psittakose sehr erleichtert wurde. Auf Grund dieser Untersuchungen konnte man bald dazu übergehen, anstelle der teuren und gefährlichen Papageien weiße Mäuse als billige, zuverlässige und ungefährliche Versuchstiere zu verwenden. 41 Während nämlich das Arbeiten mit experimentell infizierten Vögeln im Laufe weniger Jahre zahlreiche Todesopfer forderte, konnten Meyer und Eddie im Laufe von zwei Jahren über 11000 Mäuse impfen, ohne auch nur eine Laborinfektion zu erleben.

Doch nicht nur auf dem diagnostischen, auch auf dem epidemiologischen Gebiet wurde eine wichtige Erkenntnis gewonnen, dank einer schweren Erkrankung, die seit jeher auf den Faröer Inseln alljährlich im Herbst unter der einheimischen Bevölkerung aufzutreten pflegte. Im Zeitraum von 19301938 befiel sie 175 Inselbewohner, hauptsächlich Frauen, von denen 34 starben, darunter neun werdende Mütter (von elf Erkrankten!). Dem dänischen Inselarzt, Dr. Rasmussen, der während dieser ganzen Jahre die Kranken behandelte, fiel es auf, daß die Symptome dieser ausschließlich im September auftretenden Lungenentzündung eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem klinischen Bild der Psittakose aufwiesen, über die in den ärztlichen Zeitschriften vor einigen Jahren so viel geschrieben wurde. Aber wie sollte die Psittakose auf diese einsame, von den großen Schiffsrouten weit abliegende Inselgruppe kommen? Papageien oder andere exotische Vögel gab es da nicht, die konnte sich die arme Fischerbevölkerung nicht leisten. Oder sollten etwa auch andere Vögel imstande sein, diese jahreszeitlich bedingte Lungenentzündung zu übertragen, wie etwa die Sturmmöwen ("Mallemuk", Fulmarus glacialis). Diese nisten zu Hunderttausenden in den Vertiefungen der mächtigen Küstenfelsen aus Basalt, die schroff und düster aus dem fast ewig stürmischen Meere emporsteigen. Die kaum flugfähigen Jungen wurden alljährlich von August bis Anfang September von den Inselbewohnern eingefangen und als ein wichtiges Nahrungsmittel für den Winter konserviert. Rasmussen fiel es auf, daß die Pneumonie immer ein bis zwei Wochen nach dem Einfangen der ersten Sturmmöwen begann und spätestens 14 Tage nach Abschluß der dreiwöchigen Fangsaison erlosch. Auch dieser Zeitintervall entsprach genau der Inkubationszeit bei der Psittakose. Besonders verdächtig aber war es, daß alle Erkrankten vorher entweder am Einfangen oder am Verarbeiten der jungen Sturmmöwen beteiligt waren (35) Rasmussen hielt für die Infektionsquelle nur die jungen Sturmmöwen, denn erwachsene Vögel wurden seit jeher gefangen, besonders im Winter, doch hatte man niemals Krankheitsfälle im Anschluß an ihren Fang beobachtet. In der herbstlichen Fangsaison fand man dagegen oft abgemagerte junge Sturmmöwen, die zur menschlichen Nahrung ungeeignet waren. Nach Aussagen der Inselbewohner wurden sie besonders häufig in den verhängnisvollen dreißiger Jahren aufgefunden. Es ist möglich, daß die Infektion, wie eine Art Kinderkrankheit, nur die frisch heranwachsende, junge und undurchseuchte Sturmmöwengeneration befällt, wobei schwächliche und kränkliche Tiere zugrunde gehen, die überlebenden dagegen immun bleiben. Bereits 1937 fuhr Rasmussen nach Kopenhagen und teilte dem Direktor des Staatlichen Seruminstitutes Prof. Madsen seine epidemiologischen Beobachtungen und


Abb. 7
Die Vogelfelsen auf den Faröer Inseln oder auf Island beherbergen Millionen von Seevögeln, darunter auch Sturmmöwen ("Mallemuk", Fulmarus glacialis). Diese nisten in den Vertiefungen der mächtigen Küstenfelsen, die schroff und düster aus dem fast ewig stürmenden Meere emporsteigen.

Vermutungen mit. Im August des darauffolgenden Jahres wurden vereinbarungsgemäß 300 junge Sturmmöwen in einem Kühlschiff nach Kopenhagen gebracht. Hier wurden sie zu je 20 bis 25 in verlötete Blechkisten verpackt und durch Flugpost nach Berlin an das Robert Koch-Institut gesandt. Die meisten Sturmmöwen kamen in durchaus noch untersuchbarem Zustand, zum Teil sogar ganz frisch an, obwohl immerhin fünf bis sieben Tage seit dem Fange verstrichen waren. Am Robert Koch-Institut versuchte sodann Haagen mit seinem Mitarbeiter Mauer das Rätsel der Faröer-Pneumonie zu lösen. Die toten Sturmmöwen wurden seziert, ihre Leber und Milz in Kochsalzlösung verrieben und weißen Mäusen eingespritzt. Nach etwa fünf bis sechs Tagen gingen die meisten Versuchstiere an einer exsudativen Peritonitis zugrunde. Bei der mikroskopischen Untersuchung der Peritonealausstriche konnten kokkoide Elementar-

körperchen nachgewiesen werden, die für die Psittakose charakteristisch sind. (36)

Als es dann im September - wie zu erwarten war - unter den Einwohnern der Faröer Inseln erneut zu pneumonischen Erkrankungen und Todesfällen kam, sandte man auch von den obduzierten Leichen Organteile nach Berlin, wo sie im Tierversuch zu demselben Ergebnis führten wie auch das von den jungen Sturmmöwen herrührende Sektionsmaterial. Gleichzeitig gelang es, aus der Leber einer verstorbenen Frau und aus den Organen der untersuchten Sturmmöwen mehrere Stämme eines Virus zu isolieren, das sich färberisch mikroskopisch und auch in Tierversuchen an Mäusen und Wellensittichen genau wie der Psittakose-Erreger verhielt. Damit war nicht nur die Identität des "Sturmmöven-Erregers" mit dem Psittakose-Erreger bewiesen, sondern auch erstmalig die epidemiologisch wichtige Tatsache festgestellt, daß dieser Krankheitserreger auch bei anderen Vogelarten vorkommen kann. (37)

Die Infektion der Faröer erfolgte zweifellos durch Inhalations- bzw. Staubinfektion. Beim Fangen der jungen Sturmmöwen schlagen diese mit ihren Flügeln um sich und wirbeln dabei Federstaub auf. Besonders günstig für eine Staubinfektion waren jedoch die Umstände die beim Rupfen der Vögel im geschlossenen Raum vorlagen. Hier wurde mit den herumfliegenden kleinen Federn der Raum geradezu mit keimhaltigem Staub gesättigt. Da das Rupfen durch die Frauen erfolgte, während den Männern nur der Vogelfang im Freien unter günstigeren Bedingungen oblag, kamen die Infektionen bei Frauen auch ungleich häufiger vor. So erkrankten nach Rasmussen auf den Faröern 161 Frauen und nur 14 Männer. (38)

Bald merkte man, daß die Psittakose nicht nur bei Papageien, Wellensittichen und Sturmmöwen, sondern auch noch bei vielen anderen Vogelarten vorkommt, weshalb man sie mit dem griechischen Wort Ornithos für Vogel einfach als Ornithose bezeichnete. Zunächst erkannte man die Tauben als Träger des Ornithose-Erregers. Besonders deutlich erkannte man das durch die Infektion von Züchtern und Haltern von Brief- und Ziertauben. Meyer fand, daß sich annähernd 500 Fälle mit 19 Todesfällen auf solche Quellen zurückführen lassen (39) In den letzten 30 bis 40 Jahren ließen sich viele Ornithose-Infektionen bei Menschen in Europa und den Vereinigten Staaten auf Geflügel zurückführen.

In den Vereinigten Staaten spielten Bruthühner, in Europa Enten und Gänse die Hauptrolle. Meyer rechnet in einer inoffiziellen Schätzung mit ungefähr 600 klinisch erfaßten Infektionen bei Menschen und 12 Todesfällen, die seit 1948 durch Kontakt mit Truthühnern vorgekommen sind. Serologische Kontrollen zeigen, daß viel mehr unerkannte Infektionen vorkommen, und zwar vor allem unter Geflügelhändlern und Züchtern 391 In den USA und in Zentralasien erwiesen sich Enten als Infektionsquelle. (40) Sery und Mitarbeiter berichteten über wirtschaftliche Verluste bei Entenzuchten in der Tschechoslowakei; die Zahl der menschlichen Infektionen unter Enten- und Gänseopfern war in der Tschechoslowakei und Ostdeutschland beachtlich. (41)

Die Ornithose wird mit Tetracyclinen (mindestens 10 Tage) erfolgreich behandelt. Todesfälle sind dadurch selten geworden. Bei zu kurzer Therapiedauer besteht die Gefahr des Rückfalles. Durch veterinärpolizeiliche Maßnahmen kann das Erregerreservoir begrenzt werden. Eine völlige Sanierung ist nicht möglich (frei fliegende Vögel). Ein brauchbarer Impfstoff existiert nicht. Die Erkrankung hinterläßt nur eine Teilimmunität.


Abb. 8
Die Vogelnester sind praktisch unerreichbar, es sei denn von oben.
Um zu ihnen zu gelangen, werden die "Vogelfänger" alljährlich von August bis Anfang September an je einem Bergsteigerseil von je einem Kameraden von oben heruntergelassen, wo sie die kaum flugfähigen Jungen einfangen. Sie töten sie durch rasches Umdrehen des Halses und stecken sie in einen Sack, in den auch die Vogeleier kommen.

Die Art der Laborinfektionen, bei denen sich die Betroffenen oft nur durch Inhalation der keimhaltigen Luft im Raum infiziert hatten, ihr Pflegepersonal jedoch nicht ansteckten, brachte die Strategen des biologischen Krieges auf den teuflischen Gedanken, die Psittakose als ein epidemiologisch einschneidiges Schwert in ihre dunklen Pläne einzubeziehen. Die Infektketten der Psittakose enden nämlich beim Menschen stets blind; eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht. Das Versprühen einer Psittakose-Emulsion in Form einer Aerosolwolke aus Flugzeugen über einem feindlichen Gebiet würde Inhalationsinfektionen bei den dort Lebenden verursachen, aber den später nachstoßenden Angreifer unberührt lassen.
 
 


Anmerkungen

(1)
Auch das deutsche Wort "Sittich" hat die gleiche Wurzel wie das griechische "Psittacos =Papagei". Eduard Friedrich Poeppig, Reise in Chile, Peru und auf dem Amozonasstrom. 1835-1836.

(2)
Als man später den gleichen Erreger (Chlamydia psittaci) auch bei anderen Vogelarten feststellte, prägte man den Terminus ,Ornithose", um das größere Wirtsspektrum des Erregers zu verdeutlichen.

(3)
Wolfgang Burr, Poeppigs Reise in Chile, Peru und auf dem Amazonasstrom. Leipzig 1870. S. 39.

(4)
A.F. Prechtler, Humboldt am Orinoko, Berlin 1855. S. 51. Als die Spanier unter Nicuesa und Hojeda im Jahre 1509 das an der Landenge von Darien gelegene Karibendorf Yurbaco überrumpeln wollten, verrieten die wachsamen Papageien in den Wipfeln der Bäume durch ihr Geschrei - wie einst die Gänse des Kapitols den Anzug des Feindes und ermöglichten damit ihren Pflegern die rechtzeitige Flucht. (Alexander v. Humboldt, Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent, fait en 1799-1804 Paris.)

(5)
Burr (wie Anm. 3) S. 40.

(6)
Sanchez Belmàs, Viaie y aventuras en el nuevo mundo, Madrid 1714. S. 61.

(7)
Belmàs (wie Anm. 6) S. 62.

(8)
Die Umschau 1930. S. 35-36. Der kurze Aufsatz in der Umschau besteht fast ausschließlich aus Mitteilungen von Geheimrat R.0. Neumann, Hamburg, die dieser auf Grund seiner südamerikanischen Kenntnisse bei einem Interview gemacht halte.

(9)
H. Specht, Kalendergeschichten aus dem 18. Jahrh., Leipzig 1932, S. 42. In dem gleichen Buch kommt auf Seite 59 noch eine weitere Papageiengeschichte vor. Darin wird erzählt, wie ein alter portugiesischer Kapitän aus Setubal testamentarisch bestimmen ließ, daß seine Verwandten erst nach dem Tode seiner drei Lieblingspapageien an seinem Vermögen teilhaben dürfen. Den Vögeln, die von einem treuen Diener argwöhnisch gepflegt und behütet wurden, hatte er zum großen Ärger seiner habgierigen Erben den Spruch beigebracht: "Wir leben bis in die Ewigkeit! Amen." Als eines der Tiere gestohlen wurde, ersetzte es der Diener insgeheim mit einem neugekauften Papagei, der aber bald erkrankte und offenbar auch seine beiden Artgenossen ansteckte, denn sie starben fast zur gleichen Zeit und mit ihnen auch der Diener. Das Volk munkelte von Gift. Heute würde man an eine Psittakose-Infektion denken.

(10)
S. Winkle, Die Tollwut im Altertum. Die gelben Hefte Jahrg. XI (1971) Heft 1, S. 34-44; Die Geißeln der Menschheit. Artetuis & Winkler, Düsseldorf 1997, S. 906.

(11)
Umschau (wie Anm. 8) S. 35-36. WK. Prinz von Isenburg, Meine Ahnen (1924).

(12)
J. Ritter, Pneumotyphus oder typhöse Pneumonie. Korresp.bl. Schweizer Ärzte 9, 576 (1879); Über Pneumotyphus, eine Hausepidemie in Uster. Dtsch. Arch. klin. Med. 25 (1879) S. 53.

(13)
Prechtler (wie Anm. 4) S. 51.

(14)
Ost: Über infektiöse Pneumonie. Korrespâl. Schweizer Ärzte (1883) S. 424.

(15)
Dujardin-Beaumetz, Enquête sur des cri de pneumonie infectieuse paraissant avoir été occasionnés par des perruches. Bull. Conseil. Hyg. publ. salubrité Départ. Seine, April 1893.

(16)
Peter, Le typhus des perruches, Bull. méd. 1892, 713;
La maladie des perruches, France Méd. Paris 1892, S. 225.

(17)
Morange, De la Psittacose ou infection spéciale déterminée par des perruches. Thèse de Paris 1895.

(18)
E. Nocard, Conseil Hyg. publ. Seine, 24. März 1893 Annexe B, p. 14. - Nocard et Debove: Sur un mémoire de M.M. des docteurs Gilbert et Fournier (Contribution à l'étude de la Psittacose) Rapport au nom dune Commission spéciale. Bull. Acad. Méd. 36 (1896) S. 429.

(19)
Ritter (wie Anm. 11) S. 54.
Die hohe Sterblichkeit der Zülpicher Epidemie rief nicht nur in dem romantischen Rheinstädtchen, sondern auch in der Umgebung eine ungeheure Panik hervor. Wochenlang stockte jeglicher Handel und Verkehr mit Zülpich, und seine Einwohner wurden gemieden.

(20)
E. Barros, Epidemia de psittacosis. Dia méd. 140, 143 u. 152 (1929). - La psittacosis en la republica Argentina. Dia merl. 389 u. 407 (1929).
E.L. Sabate, Epidemia de psittacosis en Tucum. EI dia Medico 1929, S. 284.

(21)
Die Angst führte oft zu grotesken Auswirkungen. So weigerte sich z.B. ein ängstlicher Bariton, der in Mozarts "Zauberflöte" die Rolle des Papageno zu spielen pflegte, das aus Papageienfedern bestehende Vogelkleid nochmals anzulegen, so daß das Stück so lange vom Spielplan verschwinden mußte, bis die Opernverwaltung das Federkostüm in der Desinfektionsanstalt nach allen Regeln der Kunst entseuchen ließ.

(22)
McCoy, Accidental psittacosis infection among the personnel of the hygienic laboratory. Publ. Health, Rep. 45, 848 (1930). - Paul de Cruif, Kämpfer für das Leben. Berlin 1938, Kap. "McCoy", S. 179 ff.

(23)
Mündliche Mitteilung von Prof. E. Haagen (1940), Leiter der Virusabteilung vom Robert Koch-Institut Berlin, der Anfang der dreißiger Jahre studienhalber am Rockefeller Institut weilte.

(24)
Für die USA wurden damals 169 Erkrankungen, für Deutschland 215 Erkrankungen mit 45 Todesfällen berechnet. Die von den Behörden ermittelten Minimalzahlen bildeten in Wirklichkeit nur die Spitze eines Eisbergs. Infolge der unzulänglichen Labordiagnostik wurden viele Psittakosefälle als grippale Infekte bezeichnet.

(25)
Mündliche Mitteilung von Geheimrat R.0. Neumann (1950).

(26)
Nach einer Notiz, die mir Geheimrat Neumann im Januar 1950 zeigte.

(27)
C. Hegler, Psittakose. Dtsch. med. Wschr. (1930) S. 148. Psittakose (Klinische Erfahrungen beim Menschen). Dtsch. tierärztl. Wschr. 677 (1930).

(28)
Mündliche Mitteilung von Geheimrat R.0. Neumann, Hamburg (1950).

(29)
Auch der erste Gruppenausbruch, den Regler 1929 in Hamburg feststellte, betraf drei Personen einer Tierhändlerfamilie,die zehn Tage vor ihrer Erkrankung drei aus Südamerika frisch eingetroffene Papageien erhalten hatten; zwei der Papageien und zwei Familienmitglieder starben (wie Anm. 27).

(30)
Bedson and Western, G.T, Observation an the virus of psittacosis. Brit. 1. exp. Path.
Bedson and Simpson, L., Observation an the etiology of psittacosis. Lancet 285 (1930).

(31)
W Levinthal, Die Ätiologie der Psittacosis. Verband], Berlin. Mikrobiolog. Ges. 1929/30, 42; Klin. Wochenschr. 1930, 654; Med. Welt 1930, 588; Berl. Mikrobiolog. Ges. Sitzg. 24, März 1930; Zbl. Bakter. I Ref. 97, 574 (1930).

(32)
A. C. Coles, Micro-Organismus in Psittacosis. Brit. med. J. 1930, 719; Lancet 1930, 1011-1012.

(33)
R.D. Lillie, Psittacosis: Rickettsia-like inclusions in man and in experimental animals. Pub. Health Rep. 45, 773 (1930).

(34)
Krumwiede, Grath and Oldenbusch. Etiology of psittacosis. Amer. J. path. 585 (1930).

(35)
R.K. Rasmussen-Ejde, Ober eine durch Sturmmöwen übertragene Lungenerkrankung auf den Faröern. Zentralblatt für Bakteriologie. I Orig. 143, 89 (1938).

(36)
Wochenlang roch es in dem Institutstrakt, wo die Sturmmöwen untersucht wurden, nach Tran. Besonders peinlich war es, wenn auswärtige Gäste die Grabstätte Robert Kochs besuchen wollten, da sich das Mausoleum unmittelbar neben der Virologischen Abteilung befand.

(37)
E. Haagen und G. Mauer, Über eine auf den Menschen übertragbare Viruskrankheit bei Sturmmöwen und ihre Beziehung zur Psittakose. Zentralblatt für Bakt. Orig. 143 Bd. S. 81 (1938).

(38)
Die dänische Regierung hat auf Grund dieser Feststellungen das Fangen und Einsalzen von Sturmmöwen auf den Faröern mit sofortiger Wirkung untersagt. Um jedoch die armen und anspruchslosen Fischer und Schafzüchter, die von diesem Verbot schwer betroffen wurden, über den Winter hinwegzuhelfen, mußte ihnen der Staat größere Mengen billiger Konserven zur Verfügung stellen.

(39)
K.E. Meyer, Psittacosis-Lymphogranuloma venerum Agenta. In: Viral and Rickettsial Infections of Man, 4. Aufl. lirsg. von Rivers. TMTL. Horsfall, Lippincott, Philadelphia 1965.

(40)
S. Darougar (Ed.), Chlamydial disease. British Medical Bulletin 39, 107-208 (1983).

(41)
V Sery, 1. Strauss, Z. Fantova, 1. Mazel, V Vondaracek, Immunological Survey of Ornithosis in the Poupulation of the Czech Regions. 1. Hyg. Epidem. (Praha) 5 (1961) S. 439.
S. Ortel, Die Ornithose-Situation in der DDR auf Grund epidemiologischer und serologischer Untersuchungen. Arch-exp. Vet.- Med. 18 (1964) S. 89.


Copyright by the author - Alle Rechte beim Autor
Erstmalig gedruckt erschienen in "Hamburger Ärzteblatt" (54) Seiten 50-58
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