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Einleitung
Diese Einleitung ist nicht mehr als flüchtige Einführung in die Persönlichkeit des Autors, ein Hinweis auf die Bande, die unsere Familien auch heute noch verbinden. Außerdem reaktivierten diese Texte meine eigenen Erinnerungen an diese Zeit und ermöglichen Parallelen zu sehr ähnlichen Systemen anderer Farbgebung.
Ich erinnere Julius Hahn, wir Kinder nannten ihn "Onkel Julius", nicht nur als Respektsperson, ruhenden Pol, sondern als Reinkarnation der Gerechtigkeit, lauterer Unbestechlichkeit und Weisheit. Er gehörte darüber hinaus zu den Erwachsenen, vor denen ich nie Angst hatte, die nie laut wurden aber auch nie Anlaß boten, sie zu ärgern.
Für mich war Julius Hahn eher Institution als normaler Durchschnittsmensch. Solange ich zurückdenken kann, gehörte er zu uns. Erst viel später erfuhr ich, daß der Grundstein zur Freundschaft zwischen den Familien erst zur Zeit meines Großvaters, Karl Friedrich Kerner, gelegt wurde.

Die vorliegenden Anmerkungen zum Dritten Reich wurden von einer seiner Töchter (Ursula Rahe) zusammen mit ihrem Sohn (Dr. Konrad Rahe), dem Enkel Pastor Hahns also, im Rahmen einer größeren Arbeit veröffentlicht. Ich danke beiden für die Erlaubnis, diese Anmerkungen zum und Erfahrungen mit dem Dritten Reich einer etwas breiteren Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen.
Ich wurde 1938 geboren und kam 1944 zur Schule und erinnere die Zeit um die es hier geht sehr gut, allerdings aus der Perspektive eines Kindes. Das Bearbeiten von Texten hat gegenüber dem bloßen Lesen von Texten den Vorteil intensiverer Beschäftigung mit In- und Gehalt. So wurde die damalige Zeit (besonders die Katastrophe) in mir wieder wach. Zusätzlich fiel mir, bei der Bearbeitung der Kapitel über den Führer, die Gestapo und den Kirchenkampf die eklatante Ähnlichkeit mit dem sogenannten „real existierenden Sozialismus“ auf. Ich lernte diesen zwar immer nur unter dem Aspekt des mich schützenden „grünen Passes“ der Bundesrepublik kennen, meine aber dennoch die damaligen Verhältnisse dort einigermaßen beurteilen zu können, da ich zwischen 1959 und 1989 allein Polen über fünfzig mal besuchte.
Ähnliche Parallelen zog mein verstorbener Freund Stanislaw Oltarzewski (Warschau) nach der Lektüre des sehr lehrreichen wie amüsanten Buches „Mein Kampf“ von Kurt Halbritter. Obwohl die politische Couleur des Autors ganz und gar nicht der meinen entspricht: Halbritters Karikaturen und deren knappe Unterschriften stellen für mich das Optimum dar, das durch Zeichnungen vermittelt werden kann.
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Hamburg-Wandsbek, im März 2002
Walther Kerner
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