02. Oktober 1941

Das ist mein Geburtstag. 20 Jahre erblicke ich jetzt schon das Licht der Welt. Momentan das Licht eines bedeutungsvollen Krieges und dazu in Sowjetrußland. Der erste Morgengruß war mir eine Detonation, die den Turm erschüttern ließ. Die Ursache war ein Einschlag dicht am Turm. Es wird wohl das größte Wasserloch werden, das der Russe uns bis jetzt hier machte. Und weiter stellten wir fest, daß der Russe uns mit Panzern 2 Treffer an die Ostseite unseres Turms setzte. Von innen sah man den leichten Eindruck. Und als ich mich auf den Turm begab, während man bei Urisk wüstes Artilleriefeuer hörte, stellte ich bald russische Panzer fest. Bald aber kam Leben bei uns in die Bude. Leutnant Hinning erschien, der gestern abend bereits mit seinen Leuten den siegreichen Rückzug antreten wollte. Es gingen Meldungen hin und her. Die russischen Panzer zogen sich aus dem deutschen Artilleriefeuer heraus und fuhren auf unseren linken Abschnitt zu. Und Gottlob hatte man gestern abend dort Minen gelegt. Schneidig in Reihe fuhren die Panzer vor. Der erste (ein 32 Tonner) hat seinen Panzerturm auf unseren Wasserturm gerichtet. Ja, mit welchen Hoffnungen fuhr er wohl? Oh, was war das? Ein heller Lichtschein, ein Krach und der Panzer fiel für den weiteren Kampf aus. Der zweite hatte einen Höchstanspruch für seinen Motor und seine Kupplung gestellt. Man sah in nämlich nur so zurück rasen. So schnell sah ich noch nie einen Panzer fahren. Als die Panzer die Lage erkannten, lagen sie wieder in Pak– und Artilleriefeuer. Wütend darüber schossen sie wild in die Prärie.

Unsere Mörserfreunde hatten uns für den Bunkerbau eine Säge mitgebracht. Sofort gingen Hesing und ich an das Fällen der Masten, die bei dieser merkwürdigen Anlage stehen. Als wir beim zweiten Mast waren, da krachten in ein Haus Granaten ein. Die Dachziegel und dergleichen wirbelten durch die Luft. Wir flitzten nur so in den Turm.

Unteroffizier Kleinecke ist heute morgen sofort mit seiner dicken Backe zum Zahnarzt. Na, viel Spaß für ihn!

Wir betätigten uns noch Masten absägenderweise. Aber ruhiger war das gerade nicht. Und als gerade das Mittagessen kam und wir wieder im Turm waren, da setzte er uns einige dicken Brocken neben den Turm. Alles wackelte und klirrte wieder. Wir rasten in den Keller von Leutnant Mattias, aber da war der Zauber vorbei. Zögernd kamen wir dann wieder in den Turm und aßen unsere Portionen auf.

Nach dem Essen wurde das Problem der Bunkerunterkunft gewälzt. Erst wollten wir im Turm ein stabiles Blockhaus bauen. Jetzt aber war uns das nicht mehr ratsam, denn die dicken Brocken usw. ..... Und als endlich im Haus des Bataillonstabes ein Volltreffer hineinging, der eine 90 cm dicke Mauer glatt durchschlug, eine Innenwand zertrümmerte und schließlich das so oft umsprochene Funkgerät (Siegfried, sichern, Heinz) unbrauchbar machte, da gaben wir den Plan endgültig auf. Man beschloß nach vielem Hin und Her, den Bunker jenseits des Weges zu beziehen. Den Eingang wollten wir ändern und somit die Sache sicherer machen. Steine sollten noch obendrauf.

Leutnant Münstermann hatte nun den Plan, zuerst den Ofen einzubauen, er wollte noch einen zweiten Eingang bauen. Wenkel und ich waren nun aber der Meinung, zuerst die Hauptarbeit zu machen. Durch Mißstimmung auf beiden Seiten kam dann ein kleiner Krach. Ltn. Münstermann wollte nun den besagten Bunker alleine bewohnen, und wir sollten in der Nähe dieses Bunkers einen neuen bauen, womit Günther Wenkel und ich auch sofort bis zum Dunkelwerden begannen.

Überläufer berichteten, daß vor uns noch immer ein Bataillon vom Regiment 35 liegt. Bei den letzten größeren Angriff hatte das Bataillon 40 Mannschaften Ausfall, somit war es nur noch 70 Mann stark. Sie sagten ferner noch, daß zwei schwere Panzer ausgefallen sind. Durch leichtere wurde der Ausfall ersetzt. Besagtes Bataillon hat den Auftrag, uns aus dem Werk heraus zu werfen. Das haben wir inzwischen gemerkt. Des öfteren haben wir dadurch Alarm. So auch gestern abend. Den Bunker richteten wir zur Verteidigung ein, genau wie das letzte Mal, als der Panzer durchgebrochen war. Wir schliefen aber doch noch ganz gut.