03. Oktober 1941

Wüstes Artilleriefeuer weckte uns. Dazu Alarm. Dem Bischoff setzte man ganz dicht neben seinen Bunker einen hin. Bißchen Glück gehört eben zum Krieg. Wir gingen auf den Turm und sahen etwa 30 Russen dicht vor dem Bretterzaun. Unser MG sprach. Die Handgranatenzugsperre hatte sich bewährt. Zweimal hörte man es krachen. Die verdammten Russen rücken einem immer näher auf den Leib. Von den Panzern sahen wir Gottlob nichts mehr.

Heute morgen konnte ich auch Hein und Lüdemann begrüßen, die die beiden anderen Fahrer ablösen müssen. Lüdemann wurde beim Heuholen sofort vom Russen begrüßt. Ja, hier wird mit Kanonen gesprochen, leider nicht mit Backfischen. Von den beiden Panjepferden hatte eins einen Splitter bekommen. Typischer Blattschuß. Das Pferd muß wohl erschossen werden, wie Lüdemann meint. Vielleicht erholt es sich ja.

Uffz. Kleinecke ist noch immer nicht vom Zahnarzt zurück. Günther Wenkel ist schon wieder hier. Ich werde wohl auch bald hin müssen. Ltn. Münstermann meint von sich dasselbe.

Auch heute morgen kam schon ein Überläufer zu uns. Er sah nicht mehr so frisch aus, wie die anderen. Sie betreiben wohl kein Rasieren mehr, sondern schanzen lieber.

Bei uns ist momentan die Körperpflege ganz groß. Wenn man dienstlich Läuse hat, dann kann man sich entlausen lassen. Läuse sind nun noch nicht erforderlich, um diese Kur zu machen. Wie in thermischen Bädern der Römer soll es da zugehen. Mit guten Speisen usw. Also beinahe Luxus im Krieg. Man bedenke in Sowjet–Rußland. Das will etwas heißen!

Gestern soll der Führer auch gesprochen haben. Hier wird nur erzählt, daß jetzt zur letzten Entscheidungsschlacht im Osten angetreten wird, dann soll Rußland gefallen sein; wie und wo und was sagte er nicht. Ich glaube ja nicht, daß Rußland kapituliert, dazu sind es radikale Bolschewisten. Man wird wohl eine Linie besetzen und dann laß die Russen Russen sein.

Das Wetter ist sehr schön, tadelloser Sonnenschein, kurz: heute ist Flugwetter. Hoffentlich bleibt es so.

Eben sind wieder zwei Überläufer gekommen. Das Regiment 2 hat die 35er abgelöst. Das Regiment soll zum ersten Mal eingesetzt sein. Somit ist der Russe wieder neu für uns. Er sagte: "Für dieses Brot kämpfe ich nicht", damit hielt er ein kleines Stück Brot in der Hand.

Zum Abend hatte jeder eine halbe Flasche Bier und etwas Schnaps. Das war eine nette Abwechs-lung. Ja, ein guter halber Liter, das ist schon etwas.

Nun hat man vor, unsere Stellung in einen halben "Westwall" umzuwandeln. Es sollen mehrere Minensperren, Handgrantenzugsperren und andere Scherze gebaut werden. Der erste Graben wird am Zaun dieses Werkes bleiben. Der zweite etwas 300 m weiter zurück an einem Weg. Unsere neue Feuerstellung kommt demnach weiter zurück. In einem sehr schönen Graben haben wir schon den geeigneten Platz gefunden. Gestern abend gegen 11 Uhr holte man mich wieder heraus, um eine Mulde als Feuerstellung zu inspizieren. Diese Mulde, besser kleine Bodensenke liegt zu weit nach links. Außerdem können sich die Leute nicht so frei bewegen. So bleiben wir in dem genannten Graben. Ganz abgesehen davon, daß wir sonst seitlich beobachten müßten, so liegt die B–Stelle im Strich (?). B–Stelle bleibt im Turm. Gestern hielt auch ein VB der ersten Batterie hier seinen Einzug. Und unsere tapferen Mörserhelden haben aus ihrer Haupt–B–Stelle einen VB gemacht; es war ihnen zu bunt hier. Aber die Nacht zum 4. X. verlief ruhig.