Heute morgen sollte ich zur Entlausung. Mit großen Hoffnungen starteten wir. Uffz. Mauer, Wenkel, Peters, Lüdemann, Hein, und ich. Leider gingen wir umsonst. Hermi (?) fand noch eine Petroliumfunzel; das war die Ernte dieses ungewohnten langen Tages. Walter Heinz ging zum Zahnarzt. Allmählich ist jeder dran. Inzwischen hat man hier einen russischen Oberleutnant gefangen genommen. ihm fehlte etwas von seinem Allerwertesten, denn er hatte sich damit in die Handgranatenzugsperre gesetzt. Weitere vier Mann hatte man gefangen genommen. Zwei Tote sind hier durch Artilleriebeschuß angefallen. Beim Spähtrupp drei Leichtverletzte. Fliegerangriffe waren auch auf das Handtuchwäldchen. Es sah zackig aus.
Und wie es sich dann herausstellte war dieser Oberleutnant kein Oberleutnant, sondern ein Hauptmann. Seine Absicht war es, überzulaufen, geriet dabei aber in die oft besagte Handgranatenzugsperre. Die anderen Aussagen hat er anständig gemacht. Er machte Major Kristiani den Vorschlag, wir Deutschen sollten lieber mit Flugblättern schießen, als mit Brisanz. Er meinte, dann hätten wir mehr Erfolg. Ein Unterleutnant war mit dem Hauptmann zusammen in deutsche Gefangenschaft gekommen. Dieser Unterleutnant zeigte uns noch eine Mulde, in der die Russen bei Tage sitzen, während nur eine schwache Sicherung steht. Bei dieser Mulde war die B–Stelle der russischen Artillerie. Das war nun für uns die Hauptsache.
Das I/154 hat in dieser Stellung bis zum heutigen Tage insgesamt 3 Offiziere und 118 Mann gefangen genommen. Das ist eine kampfkräftige Kompanie.
Am Abend ging es dann mit den Leuten zum Schanzen in die neue Feuerstellung. In dem großen Graben ließ sich sehr schnell und gut die Geschützstellung bauen. Munilöcher und Bunker wurden begonnen. Die Arbeit ging schnell voran, um die alte Feuerstellung möglichst schnell zu verlassen, was ja sehr verständlich ist.
Der Russe knallt in einer Tour. Nur abends und nachts läßt er einen zufrieden. Und das muß man ja ausnutzen.