Und dieser Morgen stand nun im Zeichen eines russischen Angriffs auf unser Werk. Leider konnte ich die Sache nicht gewohntermaßen vom Turm betrachten, sondern mußte den Angriff aus der Perspektive des Bunkers aus genießen. Als die Sache so ziemlich vorbei war, schossen wir noch einige Granaten in die Ziele, die man uns sagte. Direkt beobachten konnten wir nicht. Die Schüsse sollen aber richtig gelegen haben, wie Infanteristen behaupteten. Aus einigen Überläufern bekamen wir heraus, daß 3 Bataillone angegriffen haben. Man hat den Angriff spielend abgewiesen. Ein Hauptfeldwebel wurde gefangen genommen, der Dolmetscher bezeichnete ihn als "größten Unteroffizier", meinte natürlich "höchsten Unteroffizier". Dieser "größte Unteroffizier" sagte, seine Kompanie sei nur noch 4 Mann stark gewesen, wovon jetzt 2 in Gefangenschaft sind. Demnach eine Kompanie in Stärke von 2 Mann. Ja, bei den Russen kann man etwas erleben. Man weiß ja nicht, was die so alles erzählen, aber im Großen und Ganzen sind die Russen ein tolles Volk. Sie kennen keine Kameradschaft, denn sonst würde der eine nicht den anderen verraten. Sie scheinen auch keine Lebensfreude zu haben, oder besser gesagt, sie bejahen nicht das Leben. Sie sind eben ein Stück "Vieh" in der Roten Armee oder aber ein Sowjetmensch. Und wenn es sein soll, dann knallt der eine auf den anderen und zwar mit Bewußtsein. Man kann eben viel bei ihnen erleben.
Und heute wurde auch unser Bunker soweit fertig, daß wir hier einziehen konnten. Der Ofen brennt ganz groß. Man kann sich tadellos Brot darauf rösten. Der Kaffee wir auch schnell warm und die Bude ist knallwarm. Unser Ofen war früher einmal ein Radioapparat, wir haben in umgebaut. Ja, da staunt man wenn man dies liest, aber dem ist so.
Ltn. Münstermann ist nun auch dabei und baut sich den Ofen aus dem Turm in seinen Bunker, wo er mit Hesing haust. Vielleicht ist es ihm da etwas einsam. Er geht ja aber auch schon viel aus. Seine Parole scheint die gleich wie in Belgien zu sein: "Gehe gut und viel aus". So findet man ihn meistens, vorausgesetzt, daß man ihn sucht, bei Ltn. Mattias. Dort sitzen die beiden im Keller und treiben Ulk auf ihre Art. Vielleicht ist der Grund des Besuches auch eine Flasche "Henningsky" (?) oder was man sonst so hat.
Das Geschütz von Hermi Mauer ist schon wieder einmal ohne Luft auf den Speichen. Die Ventile sind wohl nicht mehr so ganz auf Draht. Das ist peinlich aber wahr.
Und in der Wechselstellung wühlt man jetzt schon bei Tage. Man will mit aller Gewalt umziehen. Die Fahrer fahren Baumstämme, zwar nicht vom Kaliber Orscholz, sondern 20–25 cm.