07. Oktober 1941

Den ganzen lieben Tag knallen Panzer, Artillerie und die Feuerspucker auf uns. Man muß sich da etwas in Acht nehmen. Aber Landser sieht man nur noch laufen, eilen, hasten; alle wollen schnell wieder in ihre Löcher. Der Turm bekam auch wieder seien Teil. Trotzdem geht der Uffz. von der ersten Batterie immer wieder auf den Turm zum Schießen.

Und abends zog die Feuerstellung um. Die Raketen, oder wie der Landser sagt "Dünnschißbatterie", soll laut Gefangenenaussage auf uns angefordert sein. Man beeilte sich, hier fort zu kommen. Man stellte fest, daß die Handgranatenzugsperre durchschnitten war. Man hat sie gleich wieder hergestellt.

Und nun des Tages Sensation: Unser Ltn. Münstermann, genannt Mümmelmann, oder einfach nur Mümmel, will uns verlassen. Schon einmal war er für ein paar Tage fort vom Zug, um den schweren Zug zu übernehmen. Jetzt soll er zur Schützenkompanie.

Nachdem Oberleutnant von Kempski am 9. Juni (1940) bei Beaumont (Belgien) verwundet wurde, übernahm Ltn. Münstermann unseren I. Zug. Er war Zugführer und natürlich auch Mensch, denn Götter soll es auf Erden nicht geben. Und da wir einen ausgezeichneten Stellungsunteroffizier hatten, konnte Ltn. Münstermann es sich erlauben, sich weniger um den Zug und dessen Leute zu kümmern. So lernte Ltn. Münstermann erst in Belgien (nach Ende der Frankreichfeldzuges) die Leute bei Namen kennen. Uffz. Eberhardt erledigte alles, und wenn etwas war, fragte man ihn, Hein Feint (?). In Belgien (Vervier) selbst genoß Ltn. Münstermann sein junges Leben in vollen Zügen, so daß man allerlei Geschichten zu erzählen wußte. Und als dann zum 01.01.41 die Bierzeitung heraus kam, da las man folgendes beim I. Zug:

An des Zuges Spitze
steht Leutnant Mümmelmann
Er macht viele Witze
und geht aufs Ganze rann.
Mit Frauen und Alkohol
ist’s ihm am Besten wohl.
Und mit sehr viel Bedacht
durchzecht er manche Nacht,
kommt er dann am Morgen
beschläft er Tagessorgen
Und so ist er wirklich in Belgien gewesen, während er in Sissonne, dem Truppenübungsplatz bei Laon in Frankreich, sich dem Kasernenhoftor sehr bewußt war.

Aber richtig kennen gelernt haben wir ich erst seit dem historischen 22. Juni (1941). Schließlich war es ihm jetzt nicht mehr möglich, große Flitzetermine zu unternehmen. Gezwungenermaßen war sein jetziges Los, sich verlandsern zu lassen. Aber eines blieb dasselbe wie in Belgien, daß man viel von ihm erzählte, Man erzählte von ihm viel, genauso, wie er immer viel zu berichten wußte, kurz, er war immer das Zentrum. Alles drehte sich nur um Mümmelmann. Und hier in dieser Stellung spielte er als Kommandant des B–Stellenturmes eine gewichtige Rolle. Ja, Menschen sind nun in ihrer Eigenart nicht gleich!

Jetzt soll er in die 2. Kompanie fahren. Wir gratulieren ihm zu dieser Chance, hoffentlich hat er viel Glück dabei. Nur wir sind dann ja ohne Zugführer. Das Problem ist jetzt: Wen bekommen wir als Zugführer. Ltn. Alsen soll bereits den 2, Zug übernommen haben. Vielleicht soll Feldwebel Ehlert uns voran stehen, was wir zweifellos begrüßen würden.