Heute wurden wir durch wüstes Artilleriefeuer wach. Das bumste nur so. Die Raketenbatterie schoß auch. Da war die Lage so, daß bei IR 209 der Russe angriff. Zugleich ein Landungsversuch von See her. Man schlug den Angriff soweit ab, bis auf 14 52–Tonner, die gemächlich ihre Bahn in unser Hinterland zogen. Nun sind wir gespannt, wie ihr Schicksal weiter geht. Sonst, diese Riesenkolosse können schon Briefmarken machen aus Menschen und sogar Geschützen.
Wir schossen uns auch aus der neuen Feuerstellung ein. Dabei mußte ich einmal einem Sowjetpanzer von unserem zerschossenen Turm aus so ins Angesicht schauen, daß mir doch etwas anders zu Mute wurde. Nicht gerade betrauert verließ ich schnell wieder den Turm, ist er doch dasjenige, um das sich alles dreht.
Eben war ich im Bunker bei Ltn. Münstermann als Ltn. Mattias noch leicht beeindruckt herein kam. Ihm hatte sich ein Russe mit Handgranaten und Gewehr in seinen Kompaniegefechtsstand unten im Keller ohne Begleitung durch einen deutschen Landser präsentiert. Der Russe, ein Feldwebel, war auf rätselhafte Art und Weise durch die Sicherungen gekommen. Dieser Überläufer sagte dann, er hätte keine Lust mehr zur Kriegführung. Er sei vom Verpfegungsamt in Leningrad und man hätte ihm gleich einen Zug anvertraut, Seinem Kompaniechef sagte er, er hätte keine Ahnung vom Soldatenhandwerk, worauf der mit der Pistole gedroht haben soll. Der neue Zugführer war aber mit der Hand am Koppel und hat den Kompanieführer umgelegt, dann kam er auf besagte Art und Weise zu Ltn. Mattias.
Weiter wußte er zu berichten, daß eine Kompanie in Stärke von 200 Mann und eine weitere in Stärke von 100 Mann sich zum Angriff am T.P. bereit hielten. Wachtmeister Kohn, der vielgepriesene V.B. der Batt. 158 schoß dann einen netten Feuerzauber mit seiner I. Abteilung in die Russen, die der Feldwebel ihm genau aufgezeigt hatte. Der Erfolg war blendend. 22 Russen liefen über. Viele sagten, daß die deutschen Granaten tüchtig gewütet haben. Der russische Angriff aber ließ auf sich warten. Na ja, Abpraller in 300 Mann, die ohne Deckung sind, das soll schon wirken. Selbstverständlich beteiligten auch wir uns mit an dem Schießen. Ebenso erzielten wir auch Abpraller.
Und am Abend kam die Sondermeldung, daß vor Moskau 5 Armeen ihrer Vernichtung entgegensehen. Das erfreute uns besonders. Weiter hörten wir, daß es dem Russen gelungen sein soll, eine Division per Flugzeugen vom Ural hier in den Leningrader Kesser zu transportieren. Ob das ihn noch retten kann, glauben wir nicht, denn was ist in diesem Kriege schon eine Division. An einzelnen Stellen mag sie sehr wichtig sein, ein Bataillon macht da schon etwas aus, aber in einem großen Kessel so wie hier bei Petersburg, was ist da eine Division?
Von den Panzern hörten wir nur, daß es 16 anstatt 14 waren. 9 sollen am Nachmittag noch an einer Straße gestanden und geschossen haben. Man hat 8,8 cm Flak darauf gejagt. 2 Panzer sind noch auf Minen gefahren.