Der Dienst beginnt heute morgen später. Oberleutnant von Kempski will sich heute morgen von seiner Kompanie verabschieden. Wir standen und warteten und froren. Schließlich gab Hauptfeldwebel Jüchter die Beförderung von Lindemann, Riebeling und Tiefenhoff zum Gefreiten bekannt. Die herzlichsten Glückwünsche zur Beförderung an die drei!
Beim Bunkerbau hatten wir heute tüchtig Gefangene. Die Erdarbeiten sind im Großen abgeschlossen. Jetzt werden die Gerüste montiert. Aumann wird jetzt vom Tischler zum Zimmermann.
Aber Walter Neuhoff und Paul Rodenberg ist heute ein Russe ausgekniffen. Dieser eine war austreten gegangen und hatte anschließend das Weite gesucht. Auch dem wünschen wir viel Glück.
Günther Wenkel hat seine Handschuhe wieder. Der Russe ist tüchtig vermöbelt worden. Anschließend sperrte man ihn in einen Bunker. Vielleicht wird er noch erschossen. Wenkel ist jedenfalls froh, daß er seine Handschuhe wieder hat.
Der Abend brachte uns noch einen blinden Feueralarm, der aber ruhig verlief. Man hörte die Handsirene nur an den wenigsten Stellen. Stahlhelme und Schanzzeug waren auch nur teilweise vertreten. Der Alarm störte aber die abendliche Ruhe.
Obergefreiter Köhn hat bereits den Befehl bekommen, einige Schilder zu malen, auf denen man "Einheit Ltn. Münstermann" lesen kann. Früh übt sich, wer ein Meister werden will.
Abend ist große Entlausung. Man sieht Hemden, Pullover und Röcke nach. Manche "52 Tonner" findet man. Aber unsere "Pak" knackt jeden. So hat man am Abend seine Sorgen.
Am Morgen weckte uns außer der Kälte und dem UvD auch das Gebumse von Artilleriefeuer. Der Russe war wohl wieder frech geworden. Einige von uns waren heute zur Entlausung. Hoffentlich ist ihnen die Plage jetzt fern!
Mittlerweile steht das Gerüst in unserem Zugtruppbunker. Durch die fachmännische Arbeit von Aumann ist alles an Verstrebungen und Balken so mit einander verzapft und vernutet, daß sich das Gerüst ohne Nägel und Bauklammern hält. Gestern nachmittag gelang es bereits den größten Teil der Deckenverschalung unter zu nageln. Leider sind die zur Verfügung stehenden Holzvorräte erschöpft. Man muß erst wieder Holz fahren.
Die Nächte sind jetzt so kalt und klar, daß die bläulich schimmernde Schneelandschaft im Mondschein für den Landschaftsbewunderer ein Genuß ist. Und in diesem Bild vernimmt man auch, durch den Frost bedingt, das ferne Tönen der Front. Und diese ist wieder lebhafter geworden. Der Russe soll mit Kavallerie angegriffen haben. Selbstreden wurde er abgeblitzt. Bei den russischen Luftangriffen hatte die Flak gestern auch eine Apparat herunter geholt. Seit Langem einmal, daß die Flak traf.
Schon einige Tage erzählt ein Landser dem anderen, daß der erste Urlauberzug am 15. November morgens um 3.00 Uhr von hier abfahren soll. Täglich sollen sogar 6 Züge der Heimat zu rollen. Ich nehme an, daß das ein übliches Gerücht ist, wie die Ablösungsgerüchte es auch sind.