Noch gestern abend trat Kunibert (Rodenberg) mit dem Fuß in eine Bauklammer. Diese drang durch Stiefel und Strumpf bis in seinen Fuß hinein. Dadurch hat er Schmerzen und ist gefechtslahm gesetzt. Stabsfeldwebel Wurts (?) ist wegen Schlüsselbeinbruch ins Lazarett gekommen. Er soll alkoholisch angehaucht eine glatte Stelle passiert haben, wobei er sich diesen Bruch zuzog. Ebenfalls hielt gestern ein Oberarzt im Pferdestall uns einen Vortrag über Gesundheitsschäden und Krankheiten, die einem besonders in Rußland erwarten. Von den Kohlenmonoxydvergiftungen und Tollwut und Fleckfieber, Pest, Ungeziefer landete er bei den Geschlechtskrankheiten. Sehr anschaulich legte er die Dinge dar.
Der Bau unser Bunker macht beträchtliche Fortschritte. Man verschalt kräftig. Öfen werden eingebaut und man legt Bäume um für die Deckung. Hoffentlich können wir bald dort in dem Bunker einziehen.
Das Abendbild gestaltet sich heute wie die anderen Tage auch. In den klaren Frostnächten beim Mondschein hört man das Summen unserer Flieger. Man sieht sogar ihre Kondensstreifen. In den Wolken sieht man auch die Lichtbündel der sowjetischen Scheinwerfer. Und wie rotgelben Sterne leuchten die Flakgranaten im winterlichen Himmel. Aber das Summen und ferne Dröhnen und Krachen von Flak und Bomben werden wir wohl wieder einmal eine ganze Nacht lang hören. So hoffen wir uns es wenigstens. Oft hofften wir ja schon, aber das große Aber.....
Heute schaffte es beim Bunkerbau wieder tüchtig. So sind jetzt in unserem Zugtruppbunker der Fußboden, die Wandverschalung und die Decke fertig. Der Ofen, bzw. Herd, stehen auch schon. Ein Kriegsgefangener hat uns den getöpfert, es brachte ihm selber Spaß. Am Abend hörte man wieder das Gedonner der russischen Flak und das Summen unser Nachtbomber!
Gestern abend machte man noch viel Tam–Tam. Erst war blinder Feueralarm. Und dann nach 22.00 Uhr noch machte man uns klar, daß heute am 7. XI. ein Feiertag der Bolschewisten ist, an dem sie einen Angriff planten. Im Hinterland wollten Partisanen Sabotageakte durchführen. Deshalb war Alarmstufe I befohlen. Die Posten wurden verdoppelt. Es ereignete sich, wie ich bis jetzt hörte, nichts.
Heute morgen war ich mit zum Flugplatz zum Holz holen. Ein Hauptmann der Artillerie machte uns Schwierigkeiten. Deshalb wurde es nicht die beste Bretterernte. Es war aber eine verdammt kalte Partie.
Günther Wenkel und ich mußten heute zum Kompaniegefechtsstand kommen, wo sich Ltn. Alsen als Kompanieführer betätigte. Mit einigen Begleitworten überreichte er uns das "Vorläufige Besitzzeugnis des Infanterie–Sturmabzeichens". Wir beide sind die einzigen des Zuges, die es bekamen. Weshalb man es uns gab und den anderen, die dasselbe mitmachte, nicht, weiß ich nicht, Die Rückfahrt mit einem offenen Protz-kw war durch Kälte gekennzeichnet.
Gefreiter Wolf Dose, Anfang November 1941
Beim Kompanietrupp hörte ich noch neue Kompanienachrichten: Uffz. Karl Walther ist O.A. (Offiziersanwärter) durch Oberleutnant von Kempski geworden. Ein Zeugnis soll er haben, das nicht besser sein kann. Nun soll er in der Truppe befördert werden, da Döbritz keine O.A. mehr annimmt.
Ltn. Münstermann ist, wie ich hörte, in einem Kursus der Führerreserve. Günther Wenkel hörte, daß er zur Erholung hinten sei. Was nun zu trifft, weiß ich nicht. Man sieht Münstermann aber hin und wieder hier.
Die Holzholer heute erlebten auf dem Flugplatz mit dem Hauptmann, der uns neulich bereits Schwierigkeiten machte, ein besonderes Drama. Gerade wollten sie mit dem beladenen Wagen fortfahren, als der Hauptmann erschien. Dieser ordnete an, daß die Wagen sofort abgeladen werden müßten. Er duldete nicht mehr, daß aus seinem Revier Holz abgefahren wird. Nachdem nun die Wagen leer waren und die Holzholer sich anschickten die Heimreise ohne Ergebnis anzutreten, gab der Hauptmann seinem Herzen einen Stoß und die Wagen wurden wieder beladen. Mehr oder minder verstimmt gingen unsere Holzfahrer dann in Richtung Krasnoje Selo.
Die Fahrzeugwache, die unser Zug hier dauernd stellt, wurde heute mit einem MG–Posten, der feindliche Flieger beschießen soll, verstärkt. Provisorisch montierte man an einen Baum mit Hilfe eines Strickes das MG fest. Nur um einen höheren Befehl auszuführen wird der Posten noch mit aufgestellt.
Die Wache selber ist ziemlich kühl. Von "kalt" darf man in Rußland vielleicht erst im Januar sprechen. Man holt sich kalte Füße, Hände und sonstige Körperteile, die der Witterung besonders zugänglich sind.