Heute kam so ein Sowjetflieger hier zu uns, um einmal hier nach dem Rechten zu sehen. Unsere vielen MG–Posten, die dauernd stehen, brachen sich dabei gewaltig einen ab. Der eine hatte Ladehemmung, der andere bekam seine Plane nicht vom MG und der dritte schritt irgendwo im Gelände umher, zu spät ist sein Eilen zum MG.
Gestern gab es wieder einen cm³ gegen Cholera. Man merkt gottlob nicht viel davon.
Unser Bulldog ist ja schon einige Zeit kaputt, teils durch Frost und teils durch die gute Behandlung, die man ihm zukommen läßt. Jetzt hat man so einen Russenmotor irgendwo vorne aufgegabelt, der den Generator treiben soll. Bin ja gespannt, wie das funktioniert. So viel Vertrauen habe ich nicht.
Heute gab ich die Bilder (152 Stück) ab zur Kompanie. Das Kompaniealbum will man ja zusammenstellen. Ich ließ bestellen, daß ich darum bitte, möglichst schonend mit den "22 RM" (Reichsmark) umzugehen. Aber man stürzte gleich wie dir Raben darüber her, wie man mir berichtete. Jeder grabbelte toller als der andere. Man will je gern dazu beitragen, die Kompaniegeschichte zu illustrieren, aber man ebenfalls seine Erfahrungen. Entgegenkommen wird einem ja nicht geboten. Als wenn man dienstlich fotografiert hat, so kommt mir die Behandlung vor. Schon jetzt weiß ich, daß die Bilder reichlich vergrabbelt zurück kommen. Vielleicht fehlen dann sogar welche. Na, wir werden ja sehen.
Meine Berichte zur Kompaniegeschichte machen große Fortschritte. Hoffentlich ist den Zusammenstellern mit meiner Arbeit gedient. Alle wollen ja nicht die großen Tatsachen lesen. Aber das ist nun einmal Krieg und den soll jeder kennen lernen, auch in Berichten. Der Film "Douaumont" hat auch seine Wirkung getan. Warum soll es denn nur "Etappenhasen" geben?
Jetzt läuft hier das Gerücht, daß wir in der ersten Dezemberwoche den I. Zug ablösen sollen. Morgen soll die Bunkerabnahme für den Wettbewerb sein. Unsere Besatzung legt weniger Wert darauf. Auch hörte man heute vom Arzt durch andere, daß dieser gesagt haben soll, daß es unter Umständen vielleicht möglich sei, wenn alles klappt soll es eventuell Urlaub – Urlaub geben. Geben wir der Hoffnung Ausdruck.
Unsere Bunkerkameradschaft hat heute durch Hesing einen Knacks bekommen. Er tanzt auch immer allein umher. Günther Wenkel fehlt ihm wohl. Er hat all seinen Kram für sich. So fanden wir heute bei der Verpflegungsausgabe 1 ¾ Brot bei ihm, zumal jetzt Brotknappheit herrscht und man nicht auskommt. Da dürfte das wohl eine ziemliche Unkameradschaftlichkeit sein.
Aber leider Gottes ist tatsächlich die Brotknappheit so, daß nur einige ohne knurrenden Magen ins Bett gehen. Eube (?), unser Koch, sorgt nicht zur Genüge für seine Schafe. Deshalb ist Brot ein begehrter Artikel.
Draußen am Himmel leuchtet der Horizont vom Feuer. Irgend ein Ofen wird wohl wieder überheizt gewesen sein.
Piet ist nun schon tagelang damit beschäftigt in einer Tour Pfannkuchen von seiner Type 812 zu braten. Oft serviert er uns auch einen Pudding, gebraut mit allen Raffinessen der modernen Chemie. Mit Eisparpulver, Zitronenöl, Vanillegeschmack, der besagten Mehltype 812 und anderen zutaten zaubert auf dem Ofen im Bunker die leckersten Dinge der Welt. Seine spätere Frau wird er wohl des Sonntags vom Puddingkochen verjagen. Momentan beugt es sich sitzend über den Herd. Sein Ziel ist, ein möglichst guter, schmackhafter Pfannkuchen bei niedrigen Fettverbrauch.
Auch hörte ich, daß Ltn. Münstermann den Unteroffizieren in Urisk Unterricht über Mathematik und Literatur erteilen will. Besonders Mathematik wäre ein gefundenes Fressen für mich. Hoffentlich kann Münstermann dann auch einmal über die Differentialrechnung und die sphärische Trigonometrie unterrichten.
Oh, jetzt dringt der Duft von Peters Pfannkuchen in meine Nase, das Wasser läuft mir im Munde zusammen...
Keine Besonderheiten
Der Wind steht heute besonders stark von Nordwest, er bringt viel Wärme mit. So taut es jetzt hier. Auf unserem Bunker ist der Schnee geschwunden. Ganz warm kommt es einem vor, man ist mehr Kälte gewöhnt.
Heute ist Sonntag der 1. Advent. Das Wetter ist wieder kalt geworden. Der Wind drehte über Nacht, jetzt weht es kalt aus Nordosten.
Aber über unserem großen Tisch hängt ein Adventskranz. Walter Heinz fertigte ihn aus Edeltanne, Draht, etwas Litze und rotem Band. Kerzen sind nicht an ihm. Aber der Geruch von ihm und sein Bild lassen weihnachtliche Stimmung aufkommen.– – –
Bunkerbesichtigung war auch. Ltn. Alsen an der Spitze des gewaltigen Komitees bemusterte unser "Paradies der Junggesellen". Wir wollten nur nicht aus der Reihe tanzen, so taten wir doch noch etwas an unserem Bunker.
Als schönstes Adventsgeschenk gab es heute abend viel Post. Für unseren Zug (23 Mann) einen ganzen Sack voll. Da war die Freude besonders groß.