Heute feiern wir, das heißt die Althamburger wie Peters, Bartels, Dickmann und meine Wenigkeit, unser zweijähriges Soldatenjubiläum. Ja, da gibt es viel zu denken. Das hätte man wohl nicht gedacht, daß man jetzt vor Leningrad sitzt und Tagebuch führt, das noch lange nicht voll ist.
Die Feldgendarmen wirkten heute bei uns in der Kompanie. Über 100 Brote fehlen in der Küche. Auf welche rätselhafte Art und Weise die Brote abhanden gekommen sind, das weiß Gott. Jedenfalls besuchten die Feldgendarmen unseren Bunker. Bei dieser Gelegenheit verschwand mein Rechenschieber.
Endlich traten wir heute den Marsch nach vorne an. Den II. Zug ablösen. Der Wind wehte frisch über die Fläche, so daß man ordentlich dagegen mußte. Es war gerade kein Vergnügen mit all den Klamotten durch die Prärie asten. Gottlob war der Bunker einem gleich Heimat.
Heute fanden wir uns ganz groß ein in das Drum und Dran der neuen Stellung. Ziemliches Schneetreiben behinderte die Sicht. Wir sollten uns auf einen Bunker einschießen, aber wir fanden die Schüsse in der Schneelandschaft gar nicht. So fiel das Ergebnis des Einschießens zur negativen Seite aus.
Das Thermometer zeigte heute morgens –15° C. Der Wind war aber nicht, so kam einem das Wetter nicht so kalt vor. Heute diente der Tag zum Leitungsbau zur 9. Kompanie, wo wir so eine Art VB einrichteten. Gegen Mittag setzte er (der Russe) hier einige Wurfgranaten in die Gegend, wobei unsere Leitung gestört wurde. Martin Fengewisch und ich nähten uns weiße Überzüge für unsere Mützen. Gegen Abend versuchte Paul Römann unsere Stimmung durch Klavierspielen zu erhöhen. Und ich muß sagen, so einige Töne bewegen einen doch das Herz.
"Wasserholer"
Nichts von Bedeutung.
Heute setzte der Russe uns mit einem Granatwerfer genau einen vor unseren Bunkereingang. Und das noch bei einer Kälte von –24° C. Unsere Fensterscheiben gingen dabei leider zu Bruch. Kurt Hesing mußte Leitungen flicken. Er hat schwer zu tun.
In der letzten Nacht hat es stark geschneit. Da hat man ordentlich Arbeit. Die ganzen Gräben sind zugeschneit. — Die 269.Division ist hier herausgezogen worden, um bei Tidwin (?) neu eingesetzt zu werden. So muß der II. Zug jetzt eine neue Feuerstellung beziehen. Feldwebel Henneike setzte heute vier Volltreffer in eine Russen–B–Stelle.
Am Tage wird geschossen und nachts geben wir Störungsfeuer. So sieht jetzt ein Tag nach dem anderen aus. Sonst nichts Besonderes.
Schneetreiben und etwas Wind. Gegen Abend stärkeres MG–Feuer vom Russen.
Die letzte Nacht hatte der Russe zu wirken versucht. Dabei räucherte er bei der 11. Kompanie einen Bunker aus, tötete dabei 2 Mann und machte einen Verwundeten (Bauchschuß). 1 Mg und 1 MP hat der Russe noch mitgenommen. — Gestern abend soll der Russe genau wie in der Morgendämmerung unsere alte Stellung am Turm angegriffen haben. Natürlich ist er abgeblitzt. Und heute hat man uns so halbwegs alarmiert. Beim I 200 hat jemand Gespenster gesehen. Daraufhin hat unsere Kompanie einen Feuerschlag auf I 207 und dahinter gelegt. Das erste Wort der Führerrede löste den Feuerschlag aus.
Jetzt ist auch Japan im Krieg drin. Und Amerika steht im offenen Kampf gegen uns. Das mußte ja kommen. Gottlob hat der Japaner dem USA–Leuten gleich ordentlich welche auf den Hut gesetzt. So einige Schiffe hat der Amerikaner dabei schon verloren.
Die heutige Führerrede sagt uns vom gemeinsamen Kampf Deutschland, Italien und Japan gegen Amerika. Ja, ein Weltkrieg ist da!!!
Das Wetter ist jetzt verdammt kalt. –23° C sagt die Barbarameldung meistens. Und nachts ist immer die übliche Piedelei mit Gewehren, MGs und Granatwerfern. Bei Tag ist es ruhig. Man lebt seinen Tag. — Die Verpflegung ist momentan allerdings dürftig. Es gibt viel Kohldampf. Sonst aber nichts von Bedeutung.
In der letzten Nacht hat der Russe angegriffen. Beim III. und I. Bataillon war er in unsere Stellung eingedrungen. Auf unserer Seite waren leider Gottes einige Tote und Verwundete zu beklagen, im Abschnitt der 11. Kompanie liegen dafür alleine etwa 100 tote Russen neu vor den eigenen Gräben. Da vergeht dem Russen hoffentlich die Lust zu weiteren Angriffen. Jedenfalls die 100 toten Russen können keinen Angriff mehr machen.
Kunibert (Rodenberg) ist heute zum Troß abgedampft. Er war sehr froh darüber, endlich seinen Wunsch in Erfüllung zu sehen. Südbeck soll dafür nach Weihnachten zu uns in den Zug kommen. Er hat ja diese Brotaffaire über sich ergehen lassen müssen, mehr oder minder zu Recht oder Unrecht, ja, wie man denkt oder meint.
So einige erhielten jetzt das EK. Bei uns im Zug bekam es Müllerstedt, endlich hat er es als guter Soldat bekommen, ihm stand es längst gut zu Paß. Und weiter dünkt sich Uffz. Kleinecke, der neue R I im II. Zug bei Feldwebel Duis (?) mit diesem Orden. Oest, Lönl, Warnecke und Ltn. Alsen schmückt auch das EK. Wofür Ltn. Alsen es bekam, bleibt mir ein Rätsel.
Und am Abend des 15. XII. ist die Front wieder unruhig. Die Infanterie hat Feuer bei uns angefordert. So setzten wir, nach der Freigabe der Munition durch Ltn. Münstermann, 12 Gruppen in die Gegend der westlichen Straßenbahn.
Karte des Kampfgebietes im Dezember 1941