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Die waffenlose Zeit als Soldat
Kapitel 2
Compiègne
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Als erstes wurden wir entlaust und mußten duschen und wieder unsere alte und dreckige Wäsche anziehen. Als Verpflegung gab es gechlortes Leitungswasser und Kekse. Einmal alle 16 bis 18 Stunden gab es eine warme Suppe, ca. 1 lt. pro Mann. Die Lagerküche konnte trotz des 24-Stunden Betriebes nicht mehr schaffen, zumal wir auch immer mehr Leute wurden. In den Baracken standen die üblichen Militärholzbetten mit Brettern als Unterlagen. Strohsäcke, Decken usw. gab es nicht, so dass wir auf dem Holz schliefen, aber ja ein Dach über dem Kopf hatten.
Um die Langeweile zu vertreiben, spielten einige Landser ständig Skat oder Doppelkopf. Da ich keine Kartenspiele konnte, versuchte ich mich mit dem amerikanischen Posten zu unterhalten, der zwischen uns und dem "Blitzmädellager" stand. Ein netter kleiner PfC (Gefreiter) unterhielt sich viel mit mir, soweit meine Englischkenntnisse schon reichten. Er hatte nicht die übliche amerikanische Aussprache, sondern mehr die englische. Ich fragte ihn nach dem Grund. So erfuhr ich, dass er erst in Tokyo und dann in London in einer englischen Schule gewesen sei. Nach dem Weshalb gefragt, erklärte er, dass sein Vater bis zum Kriegsausbruch mit Japan Marineattaché in Tokyo und anschließend in London gewesen sei. Ich fragte ihn, ob er den deutschen Marineattaché kenne, was er bejahte. Ich sagte ihm, dass der deutsche Marineattaché ein Vetter meines Vaters sei.
Ein paar Tage später informierte er mich, dass ich mich bei unserem amerikanischen Lagerkommandanten melden solle. Der sei sein Vetter und er habe ihm von mir erzählt. Als ich mich bei dem Lagerkommandanten meldete, fragte er mich, ob ich in der Offiziersküche arbeiten wolle. Ich sollte dort neben den üblichen Arbeiten auch den Dolmetsch zu den anderen nicht Englisch sprechenden Landsern spielen. Ich sagte zu, denn ich sah darin neben dem Vorteil, besseres Essen zu bekommen, auch die Möglichkeit mein schlechtes Englisch aufzubessern. So trat ich dann das erste Arbeitskommando als Kriegsgefangener an einem Freitag, den 29. 09. 1944 an.
Bei der Essensausgabe an die Offiziere, fragten diese uns, was es denn zu essen gäbe. Ich versuchte, die entsprechenden Namen in Englisch auszusprechen. Nachdem ich fertig war, sagten sie: "Und nun sagen Sie uns das noch einmal auf Deutsch". Anschließend bemühten sich die Offiziere, uns die richtige Aussprache der englischen Bezeichnung beizubringen. Einmal wurde ich von einem Offizier gefragt, wieviel man bekommen könne. Ich antworte: "You can become as much as you wanted". Er fing an zu lachen und sagte daraufhin zu mir: "To become heißt werden, bekommen heißt to get".
Drei Tage nach dem ersten Arbeitstag war meine linke Hand stark angeschwollen und schmerzte erheblich. Auch hatte ich am Arm einen roten Streifen. Nach dem Frühstück ging ich zum Küchenoffizier, zeigte ihm die Hand und bat zum Lagerarzt gehen zu dürfen. Im Krankenrevier erkannte man die Blutvergiftung sofort, legte mich auf zwei nebeneinander gestellte Bänke, schnallte mich mit Kochgeschirriemen fest und gab mir eine Äthernarkose. Als ich aufwachte, war meine linke Hand verbunden, die Schmerzen waren wesentlich weniger geworden. Wegen der Äthernarkosen mußte ich mich kräftig übergeben, denn ich hatte zum Frühstück Rührei mit Brot gegessen. Der Kommentar des Sanitäters war: "Da sieht man, was die da drüben essen". (Die Offiziersküche lag auf der anderen Straßenseite). Man hatte zwei kleine Granatsplitter als Ursache gefunden und entfernt. Gegen Mittag war ich wieder in der Küche, nun die linken Hand in einer Schlinge. Das war am 02. 10., dem Datem, an dem mein Bruder 23 Jahre alt geworden wäre.
Obgleich ich nicht arbeitsfähig war, blieb ich in der Küche.
Auch der amerikanische Arzt erkundigte sich nach der Ursache und sorgte
dafür, dass das Krankenrevier im Lager gut ausgestattet wurde. So
vergingen die Tage immer wieder im selben Rhythmus. Ich hatte den Vorteil,
dass ich immer besser Englisch konnte. Die Hand wurde behandelt und besserte
sich, auch dank der guten Verpflegung, schnell.
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